Den Blick auf Gott nicht verlieren

In jenen Tagen kehrten Paulus und Barnabas nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück. Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten. Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab. Von dort fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte. (Apg 14, 21b-27)

Da hätten Paulus und Barnabas doch zu Recht stolz auf sich und ihre Leistung sein können. Sie hatten so einiges geschafft und eine große Leistung vollbracht.
So manch anderer hätte da sicher sehr viel mehr den Stolz zum Ausdruck gebracht.
Aber Paulus und Barnabas widerstehen dieser Versuchung. Vielleicht spürten sie, dass die starke Ichbezogenheit des Stolzes, der aus diesem Grund ja auch eine der Hauptsünden genannt wird, sie abkapseln würde und letztlich von Gott trennen würde.
Vielmehr heißt es dann sie „berichten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan […] hatte.“
Der Schwerpunkt liegt also auf dem Handeln Gottes. Er ist der eigentlich Handelnde!
Die Apostel wirken (nur) mit, sind (nicht ganz unwichtige) Mithelfer Gottes.
Für den Glaubenden ist es wichtig, den Blick auf Gott als den entscheidend Handelnden nicht zu verlieren.
Es geht um Offenheit für Gott, nicht um das Setzen auf die eigene Kraft, die Profilierung der eigenen Persönlichkeit, den Stolz auf das, was ich leisten könnte, oder vermeintlich geleistet habe.
Nur wenn wir offen bleiben für Gott, uns in seinen Dienst stellen, wird er in unserer Mitte wohnen. Dann werden wir seine Liebe erfahren und seine Liebe wird in uns und durch uns wirken.

Gott wirbt um mich!

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,27-30)

Im Kern der Botschaft steht die Selbstoffenbarung Jesu als uns Menschen liebevoll zugewandt, der uns in Einheit mit Gott seinem (und unserem) Vater eine unverlierbare und große Zukunft zusagt… WENN – ja WENN wir auf ihn hören!
Aber genau das ist offenbar das Problem manches „modernen“ Menschen:
Soll ich auf Gott hören, oder auf die vielen und lauten Sirenenstimmen unserer Zeit
Wessen Hand kann ich mich, meine Zukunft, diejenigen, die mir lieb sind — letztlich mein Leben anvertrauen? Kann ich Gott trauen?
Gott wirbt um mich!
Seine Zusage Gottes ist tragfähig:
                                   er will nicht hinters Licht führen
                                   er will Zukunft für uns
                                   er will unverlierbares, ewiges Leben für uns
                                   er will nichts für sich, sondern gibt sogar alles (seinen Sohn) für uns
Gott ist größer, als alle bedrohenden und lebensfeindlichen Kräfte, denen wir gegenüberstehen (sogar größer als der Tod)
Niemand kann uns seiner liebenden, schützenden und bergenden Hand entreißen
Es sei denn, wir entfernen uns freiwillig aus seiner Obhut, seiner Liebe, seiner Fürsorge
Wir müssen uns entscheiden: Vertrauen wir Gott? Vertrauen wir uns ihm an?

„Ufer“ oder „See“?

In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21,1-14)

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“. Alles andere als klar und deutlich erscheint der auferstandene Jesus seinen Jüngern. Eher im Zwielicht, nicht klar erkennbar und unübersehbar. Daher dämmert es den Jüngern zwar, aber die volle Erkenntnis ist noch nicht da. Umso erstaunlicher, dass sie sich trotzdem auf den Hinweis, den er gibt einlassen. Sie befinden sich schließlich am Scheideweg: War alles umsonst? Sollten sie nicht lieber aufgeben? Oder lohnt sich doch der Mut zum Ungewissen, der Mut zur Zukunft
Die Frage ist: „Ufer“ oder „See“?
Am Ufer befindet sich Jesus, der fest im Reich Gottes steht.
Auf dem See herrscht das Hin- und Hergetrieben werden von unberechenbaren und unbarmherzigen Kräften.
Die Entscheidung der Jünger fällt, trotz Ungewissheit, für Jesus und er macht keine Vorwürfe wegen der Erfolglosigkeit, sondern er schenkt im Übermaß.
Das Erstaunliche ist im Grunde nicht der Unglaube, sondern der Glaube: die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich für Christus entscheiden, ihm vertrauen, weil er ihnen begegnet ist.
Wie fällt unsere Entscheidung aus?