Jesus macht uns “Feuer”

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Lk 12,49)

„Feuer“ meint hier die besondere Nähe Gottes und eine besondere Wirkung dieser Nähe.
Bibellesern kommt hier sofort der brennende Dornbusch, oder die Feuersäule beim Auszug aus Ägypten in den Sinn. Vielleicht auch Blitz und Feuer am Sinai bei der Offenbarung der Gebote Gottes.
An diesen Stellen ist Feuer immer etwas Gewaltiges, etwas Bewegendes, etwas, vor dem man nicht gleichgültig bleibt, sondern reagieren und sich entscheiden muss.
Und – das gilt es besonders zu beachten:
es ist immer zuerst Gott selbst, der sich für die Menschen entscheidet.
Im Blick auf die radikale Zuwendung Gottes zu uns Menschen können wir nicht gleichgültig bleiben.
Wir müssen reagieren, eine Entscheidung treffen! Es geht um unsere Entscheidung für ihn, für Christus;
und es geht um die Entscheidung für das endgültige Heil, das er uns anbietet;
es geht um eine Entscheidung ohne Bedingungen,
um eine Entscheidung, an der wir nicht vorbei kommen, so gern wir uns auch manchmal davor drücken möchten.

Keine falsche Beruhigung!

Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt (Lk 12,42b-46a)

Da lebt also jemand in einer falschen Beruhigung.:
Er beruhigt sich mit dem Leichtsinn, indem er denkt:
„Mein Herr wird ja noch lange nicht zurückkommen“; und er lebt auch entsprechend.
Von diesem Leichtsinn heißt es: „Der Herr wird an einem Tag kommen, an dem es der Knecht nicht erwartet“.
Vor solchem Leichtsinn oder auch gezielter Betäubung will Jesus uns warnen.
Und trotzdem ist diese Warnung keine Drohbotschaft, denn es ist eine Warnung, die von seiner Liebe getragen ist;
eine Warnung, die zum Ziel hat, uns teilnehmen zu lassen an seiner Liebe und an seinem Leben.
Es ist um unseres Heiles willen, um unserer Seligkeit willen, dass wir zur Wachsamkeit aufgerufen werden: „Selig die Knechte, so heißt es, selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt…
Der Herr selber wird sich gürten und sie am Tisch Platz nehmen lassen..“.
Wenn wir immer wieder in der Eucharistiefeier bereit sind, Gott in unser Leben hereinzulassen, und wenn solche Stunden sich Woche für Woche wiederholen,
dann werden wir für Gott offen sein – auch in den Stunden unseres Alltags –
und dann dürfen wir hoffen, dass wir offen sind für Gott auch in der letzten Stunde unseres Lebens, – dass wir auch dann wachsam sind und den Ruf des Herrn hören können.

Mit Christus auferweckt!

Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt! Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. (Kol 3,1-4)

Sollen wir also aus der „Welt“ fliehen, die Welt missachten? Ist alles, was diese Welt bietet nichts wert?
Ganz und gar nicht! Diese Welt ist schön, das erfahren wir im Sommer, in der Urlaubszeit, in der es darum geht, die Freude und Gelassenheit neu zu entdecken doch in besonderer Weise.
Diese Welt ist schön! Das gilt es zu sehen und zu genießen. Weltflucht ist fehl am Platz. Genauso aber auch ein „Sich-Verlieren“ an diese Welt! Diese Welt ist nicht das Einzige! Wir dürfen uns nicht an sie klammern.

Daran erinnert der hl. Paulus wenn er sagt: „Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2)
Wir sind getauft und damit in die Wirklichkeit Gottes hineingenommen. Wir schauen weiter als nur bis an die Grenze unserer Vernunft und dieser Welt. „Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!“

Taufe ist auferweckt sein mit Christus, aber nicht schon vollendet. Daher: „weiter streben nach dem was oben ist“. Wir sind nicht im Himmel, sondern noch auf Erden, aber in der Taufe ist etwas Neues geschehen, das wir wirksam werden lassen müssen im Alltag.

Wir dürfen unser Denken, Reden und Tun schon unter der Perspektive des „Himmels“ sehen, sozusagen mit dem Blick auf Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt.
Daher gilt es sich immer wieder und immer weiter intensiv um die Nachfolge Christi zu mühen, denn Christ-Sein ist nie fertig, es braucht Mühe. Scheuen wir sie nicht!