Der Stein war weggerollt

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Mágdala
frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab
und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.
(Joh 20,1)

Es war, so sagt Johannes, früh morgens am ersten Tag der Woche. Es war noch dunkel – genauso wie am Anfang der Zeit, bevor Gott sagte: „Es werde Licht.“
Aber ein Licht war im Begriff zu leuchten, und eine neue Schöpfung war im Begriff zu erscheinen.
Der Stein war weggerollt.
Dieser Stein, der den Eingang zum Grab Jesu blockiert, steht für die Endgültigkeit des Todes.
Wenn jemand, den wir lieben, stirbt, ist es, als würde ein großer Stein über ihn gerollt, der unseren Zugang zu ihm dauerhaft blockiert.
Und deshalb beweinen wir den Tod – nicht nur aus Trauer, sondern aus einer Art existentieller Frustration.
Aber für Jesus war der Stein weggerollt.
Zweifellos müssen die ersten Jünger geglaubt haben, ein Grabräuber sei am Werk gewesen. Aber die wunderbare johanneische Ironie ist, dass der größte aller Grabräuber tatsächlich am Werk war.
Der Herr sagt zum Propheten Ezechiel: “Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk heraus” (Ez 37,13).
Was zunächst ein Traum war, was als Hoffnung gegen Hoffnung überdauerte, ist schließlich Wirklichkeit geworden: Gott hat das Grab seines Sohnes geöffnet, und die Fesseln des Todes sind für immer zerrissen.

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