„Ufer“ oder „See“?

In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus – Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.
Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21,1-14)

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“. Alles andere als klar und deutlich erscheint der auferstandene Jesus seinen Jüngern. Eher im Zwielicht, nicht klar erkennbar und unübersehbar. Daher dämmert es den Jüngern zwar, aber die volle Erkenntnis ist noch nicht da. Umso erstaunlicher, dass sie sich trotzdem auf den Hinweis, den er gibt einlassen. Sie befinden sich schließlich am Scheideweg: War alles umsonst? Sollten sie nicht lieber aufgeben? Oder lohnt sich doch der Mut zum Ungewissen, der Mut zur Zukunft
Die Frage ist: „Ufer“ oder „See“?
Am Ufer befindet sich Jesus, der fest im Reich Gottes steht.
Auf dem See herrscht das Hin- und Hergetrieben werden von unberechenbaren und unbarmherzigen Kräften.
Die Entscheidung der Jünger fällt, trotz Ungewissheit, für Jesus und er macht keine Vorwürfe wegen der Erfolglosigkeit, sondern er schenkt im Übermaß.
Das Erstaunliche ist im Grunde nicht der Unglaube, sondern der Glaube: die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich für Christus entscheiden, ihm vertrauen, weil er ihnen begegnet ist.
Wie fällt unsere Entscheidung aus?

Resonanzboden Gottes

Der Herr ist wahrhaft auferstanden – HALLELUJA

Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht. Während sie ratlos dastanden, traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen. Die Frauen erschraken und blickten zu Boden. Die Männer aber sagten zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden. Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn muss den Sündern ausgeliefert und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen. Da erinnerten sie sich an seine Worte.
Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern.
Es waren Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren, erzählten es den Aposteln.
Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zum Grab. Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden dort liegen. Dann ging er nach Hause, voll Verwunderung über das, was geschehen war.
(Lk 24,1-12)

Wenn wir einige Tage zurückdenken an das traurige Gefühl, dass uns Christen beim Brand der Kathedrale von Notre Dame in seinen Bann gezogen hat und bis heute noch nicht losgelassen hat, dann sind wir mitten im Gefühl, das auch die Jünger Jesu in der Bibel durchschritten haben:
Die Betroffenheit und Hilflosigkeit, die sich bis zur Trauer des Karfreitags steigert, um dann in die Grabesruhe des Karsamstages überzugehen.
Und selbst nach der Auferstehung Jesu ist nirgends von Jubel und Hosianna-Rufen, von überbordender Freude die Rede.
Nein: Das Evangelium gerade berichtet von Erschrecken, vom Ratlosen blicken auf den Boden, von Verwunderung.
In etwa so wie das, was sich auch in uns vielleicht nach einigen Tagen im Rückblick auf die Feuerkatastrophe von Paris einstellt.
Ganz schnell war davon die Rede, das die Kathedrale wieder aufgebaut werden wird.
Alle Akteure beteuern ihren Willen, das Gebäude wiederauferstehen zu lassen.
Und auch die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu, die Frauen, Petrus, die übrigen Jünger wissen in allem Erschrecken und in aller Ratlosigkeit doch auch, dass der Glaube weitergetragen werden muss.
Nach den Begegnungen mit dem Auferstandenen, von denen wir in den nächsten Tagen und in der kommenden Osterzeit hören werden, machen sich ja auch kraftvoll an dieses Werk.
Das Erschrecken und die Ratlosigkeit angesichts des leeren Grabes machen dann der Freude und dem kraftvollen Einsatz für das Wort Gottes Platz.
Und darum geht es auch im Wesentlichen.
Gottes Wort muss in uns zum Klingen gebracht werden.
Was hilft etwa in Paris jetzt der reine Wiederaufbau eines nationalen Denkmales und eines unschätzbaren Weltkulturerbes, wenn es nicht mit dem Wort Gottes und dem Lob seiner Herrlichkeit erfüllt wird?
Ich kann mir vorstellen, dass auch manches Evangeliar in den Trümmern von Notre Dame beim Aufräumen zum Vorschein kommt.
Und sicher auch so manches historisch kostbare Exemplar.
Aber so, da in den Trümmern liegend ist es nur ein vom Löschwasser durchtränktes Buch.
Die Worte auf dem Papier sind nicht bloß dazu da, dass sie angeschaut, mit den Augen gelesen und vielleicht dazu noch untersucht werden.
Sie erfüllen ihren Zweck erst, wenn sie angenommen, geglaubt, gelebt und umgesetzt werden.
Wie etwa bei so manchem wunderbaren Orgelstück, dass auf der bei dem Brand offensichtlich glücklicherweise in weiten Teilen erhalten gebliebenen 5-manualigen Cavallé-Coll Orgel in Notre Dame erklungen ist.
Es erfüllt seinen Zweck erst dann und genau dann, wenn Menschen die Noten auf dem Papier in Musik umgesetzt haben; wenn das Geschriebene in Gehörtes verwandelt und die Komposition so zur Freude und zum Trost der Menschen zum Klingen gebracht wird.
Genauso verhält es sich mit der Botschaft von Ostern.
Das Evangelium ist zunächst nur Buchstaben auf Papier, aber das soll es nicht bleiben.
Zunächst soll es von uns angenommen und als wertvoll angesehen werden.
Viel wertvoller als jedes noch so große Werk eines noch so berühmten Musikers, viel größer als jedes noch so wertvolle Weltkulturerbe.
Und dann soll das Wort Christi wie eine wunderbare Komposition zum Klingen gebracht werden:
es soll nach dem Willen Jesu seinen Sinn erfüllen, indem es im Lied und im Spiel des Lebens zum Klingen gebracht wird:
Einmal dadurch, dass wir es im Gottesdienst hören; dass der Buchstabe und die Wörter in den Raum kommen, an unser Ohr und an unser Herz.
So kann es zu einem Lied werden, dessen Urheber Gott selber ist.
Aber die Instrumente, auf denen dieses Lied erklingt, sind wir selbst.
Wir selbst sind das Werkzeug, das Medium, der Klangraum und der Resonanzboden durch das Gottes Trost und Treue, seine Güte und Liebe zu den Menschen kommen.
Jesus möchte, dass seine Melodie, die er in die Welt gebracht hat, nie vergessen wird.
Er möchte, dass sie immer wieder entdeckt und gespielt wird –
in unseren persönlichen Gebeten, im Gottesdienst, in großen Kathedralen und in kleinen Dorfkirchen, am Feiertag wie auch im Alltag.


Gesegnet sei der König

In jener Zeit ging Jesus nach Jerusalem hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus. Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.

(Lk 9,28.36-40)

Nehmen wir einen Moment lang an, Jesus komme in unseren Heimatort.
Stimmt auch dann noch, was wir da eben gehört haben?
Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe!
Würden wir, würde die Menge sich aufmachen, ihn zu empfangen?
Vielleicht würden wir uns die Zeit nehmen. Heute Abend noch – aber morgen früh haben wir wieder andere Verpflichtungen. Wenn wir es überlegen, so ganz recht wäre uns das nicht, wenn Du gerade jetzt kämst, vielleicht nach Ostern, vielleicht dann doch lieber erst im Herbst, obwohl soviel Zeit hätten wir dann auch nicht, und dann kommt der Advent und Weihnachten.
Was würden wir rufen?
Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn?
Klingt nicht mehr so ganz zeitgemäß; ein bisschen verstaubt.
Und außerdem, wir hätten da eine Menge Fragen – endlich könnte er uns auf alle Fragen eine Antwort geben, alle unsere Vorbehalte entkräften.
Wir könnten endlos diskutieren bis wir alles verstanden haben, was nicht zu verstehen ist.
Ob wir dann noch jubeln werden, werden wir sehen. Vielleicht wechseln wir auch sofort zum „Kreuzige ihn“??
Jesu Kommen – es brächte uns schon in Verlegenheit.
Jesus kommt in unseren Ort – eine Fiktion!?

Nein- Er ist schon da!! –

Aus der Passionsgeschichte wissen wir es.
Szenen der Passion, die sich so oder ähnlich in unserem Leben, im Leben der Menschen wiederholen.
Jesus kommt in unseren Ort – er will weder ins Rathaus, noch auf den Marktplatz.

Er will dorthin, wo Menschen leiden und wo die kleine Tat der Liebe das Leiden leichter macht.

“Reboot”

Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt. (Phil 3,8-14)

Einen „Reboot“, einen Neustart musste wohl jeder Benutzer eines PC´s schon mal machen.
Und das ist nicht nur störend und ärgerlich, das kann richtig schmerzhaft sein. Stundenlange Arbeit kann verloren sein. Es kostet Zeit, Energie und Mühe.
Aber andererseits kann es auch die Chance bieten, noch einmal neu anzusetzen
Man kann eine andere Perspektive einnehmen, einen neuen Zugang wagen. Es kann etwas Neues entstehen und wachsen.
Ein „Reboot” ist manchmal auch in unserem Leben nötig, wenn alles sich „aufgehängt“ hat. Wenn es wie eingefroren ist und nichts mehr geht.
Diese Chance zum „Reboot“ ist die Fastenzeit.
Ich darf neu anfangen, alte Wege verlassen und neue Zugänge wählen, zum Mitmenschen, zum Glauben, zur Kirche, zu Christus…
Ich darf mich neu auf Christus ausrichten, an ihm Maß nehmen, die eigene Berufung neu suchen, erkennen und leben.
„Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil3,13b-14)

Gesandte an Christi statt

Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. (2 Kor 5,17-21)

„Wir sind also Gesandte an Christi statt“ (2 Kor 5,20)
Als Christen sind wir Botschafter Christi.
Ein Botschafter repräsentiert sein eigenes Land in einem Gastland und tritt dort für die Interessen seines Landes ein. Er steht ständig in der Spannung, ganz dem Heimatland verpflichtet zu sein und im Gastland die eigenen Werte, Normen und Ansichten zu vertreten. Er taucht in die Fremdheit des Gastlandes ein, ohne das Eigene aufzugeben und im Fremden aufzugehen.
Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmen auch wir uns als Christen. Wir sind in Christus beheimatet, sind ihm und seiner Botschaft verpflichtet und identifizieren uns mit ihm. Gleichzeitig aber leben wir in unserem Alltag und unserer Gesellschaft, der Christus oft so fremd ist. In ihr versuchen wir Christus erfahrbar und erlebbar zu machen in einer Sprache, die verstanden werden kann.
Wir stehen für Christus ein, sind seine Gesandten und Botschafter.
Es ist eine anspruchsvolle, aber auch eine schöne Aufgabe.
Stellen wir uns ihr immer wieder neu!

Carpe diem

In jener Zeit sprach Jesus: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen. (Lk 13,5b-9)

Fastenzeit ist nicht die Zeit des Umhauens, der Gnadenlosigkeit, sondern es ist die Zeit der Gnade, die Zeit des möglichen Neuanfangs.
Christus, den wir im Winzer erkennen dürfen, gewährt uns diese Zeit, er schenkt sie uns, damit wir sie nutzen. Er will an uns arbeiten, manches umgraben und düngen. Er will Kraft schenken, wo wir in Kraftlosigkeit versinken.
Aber wir müssen ihn an uns arbeiten lassen. Wir dürfen es zulassen, dass er an und mit uns wirkt. Tun wir in dieser österlichen Bußzeit auch wirklich, das, was diese Zeit im Namen trägt: Buße. Das heißt allerdings nicht in Freudlosigkeit und Sack und Asche herumzulaufen, sondern das meint, mich von Jesus erneuern und verwandeln zu lassen. Da wo es nötig ist, müssen wir umkehren, Schuld bekennen und uns Vergebung unserer Schuld im Bußsakrament zusprechen lassen. Auch und ganz besonders hier wirkt Christus an uns.
Nutzen wir diese Zeit der Gnade und des Neuanfangs!
Die Botschaft Gottes ist eine frohe Botschaft, aber sie ist nicht nett und schon gar nicht harmlos. Carpe Diem! – Nutze die Zeit!

Unsere Heimat ist im Himmel!

Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder. (Phil 3, 20 – 4, 1)

Paulus schreibt: „Unsere Heimat ist im Himmel“.
Wir stehen zwar mit beiden Beinen auf dieser Welt.
Aber unsere Verwurzelung haben wir nicht in dieser Welt, nicht in dieser Kirche, in der so viele Sünder zu finden sind.
Nein, unsere Verwurzelung haben wir im Himmel!
Und wer dort seine Verwurzelung hat, der kommt nicht ins Wanken, wenn die Stürme des Lebens kommen, wenn Wirren unsere Kirche hin- und herzerren, wenn der Glaubenszweifel an uns nagt.
Kennzeichen eines solchen Menschen, der seine „Heimat im Himmel“ hat, ist der Hinweis des Paulus:
„Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, unseren Retter“.
Es sind Menschen, die eine lebendige Erwartung des wiederkommenden Herrn haben und nicht ängstlich alles Mögliche erwarten, was wohl noch auf sie zukommt.
„Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.“
Ja, es ist hier oft ein Leben in „Armseligkeit des Leibes“.
Auch Jesus selbst ist diesen armseligen Weg gegangen.
Er musste den Weg des Kreuzes zu Ende gehen.
Aber ganz am Ende steht die Herrlichkeit der Auferstehung.
„Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im der Gemeinschaft mit dem Herrn.“

Festmachen in Gott

In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.
Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab. (Lk 4,1-13)

In der Fastenzeit orientieren wir uns an Christus selbst, der sich in den 40 Tagen in der Wüste, wo er den Versuchungen des Teufels ausgesetzt war, festgemacht hat im Glauben und Vertrauen auf den Vater:
Wenn sich der Boden unter den Füßen auftut: sich festmachen in Gott
Wenn der Glaube ins Wanken gerät: sich festmachen in Gott
Wenn das Vertrauen in die Kirche schwindet: sich festmachen in Gott.
Wenn Trauer den klaren Blick trübt: sich festmachen in Gott
Wenn die Erkenntnis des Bösen erschrecken lässt: sich festmachen in Gott.
Wenn persönliche Schuld niederdrückt: sich festmachen in Gott

Es braucht Mut!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? (Lk 6,39)

Aber nicht nur die offensichtliche Blindheit der Augen ist gefährlich, noch viel mehr die Blindheit des Herzens. Wenn die Fähigkeit fehlt, in mich hineinzuschauen, auf die eigenen Notwendigkeiten und Sehnsüchte. Dies zu tun ist besonders herausfordernd, erfordert Mut. Da weicht manch einer lieber aus, lässt da einen blinden Fleck und richtet seinen Blick auf andere, die ja angeblich auch nicht besser sind. Und damit läuft er in die Blindheit weiter hinein.
Wie wäre die Beichtpraxis lebendig, wenn man die Sünden der anderen beichten könnte! 😉
Aber gerade hier dürfen wir uns in den wärmenden, liebevollen Blick Jesu stellen, der Selbsterkenntnis ermöglicht. Wir können die eigene Sehnsucht eingestehen und zur eigenen Bedürftigkeit stehen. Nur so kann Christus unsere Blindheit heilen.
Wir dürfen erkennen: Ich habe nicht alles in der Hand und muss es auch gar nicht haben
Ich darf mich anvertrauen, sowohl Gott, als auch den Menschen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge sind.
Denn der Mut, zu mir selber zu stehen und Barmherzigkeit zu erfahren, befähigt mich zur Barmherzigkeit mit anderen.
Das Wissen, dass keiner von uns das Angenommensein aufgrund seines Gut-Seins und seiner Leistung verdient hat, erleichtert das gegenseitige Annehmen.
Wir haben die Möglichkeit zu Veränderung, Umkehr, Heilung. Nutzen wir sie!