“Reboot”

Ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen und in ihm zu sein. Nicht meine eigene Gerechtigkeit suche ich, die aus dem Gesetz hervorgeht, sondern jene, die durch den Glauben an Christus kommt, die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt. Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin. Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt. (Phil 3,8-14)

Einen „Reboot“, einen Neustart musste wohl jeder Benutzer eines PC´s schon mal machen.
Und das ist nicht nur störend und ärgerlich, das kann richtig schmerzhaft sein. Stundenlange Arbeit kann verloren sein. Es kostet Zeit, Energie und Mühe.
Aber andererseits kann es auch die Chance bieten, noch einmal neu anzusetzen
Man kann eine andere Perspektive einnehmen, einen neuen Zugang wagen. Es kann etwas Neues entstehen und wachsen.
Ein „Reboot” ist manchmal auch in unserem Leben nötig, wenn alles sich „aufgehängt“ hat. Wenn es wie eingefroren ist und nichts mehr geht.
Diese Chance zum „Reboot“ ist die Fastenzeit.
Ich darf neu anfangen, alte Wege verlassen und neue Zugänge wählen, zum Mitmenschen, zum Glauben, zur Kirche, zu Christus…
Ich darf mich neu auf Christus ausrichten, an ihm Maß nehmen, die eigene Berufung neu suchen, erkennen und leben.
„Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt.“ (Phil3,13b-14)

Gesandte an Christi statt

Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. (2 Kor 5,17-21)

„Wir sind also Gesandte an Christi statt“ (2 Kor 5,20)
Als Christen sind wir Botschafter Christi.
Ein Botschafter repräsentiert sein eigenes Land in einem Gastland und tritt dort für die Interessen seines Landes ein. Er steht ständig in der Spannung, ganz dem Heimatland verpflichtet zu sein und im Gastland die eigenen Werte, Normen und Ansichten zu vertreten. Er taucht in die Fremdheit des Gastlandes ein, ohne das Eigene aufzugeben und im Fremden aufzugehen.
Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmen auch wir uns als Christen. Wir sind in Christus beheimatet, sind ihm und seiner Botschaft verpflichtet und identifizieren uns mit ihm. Gleichzeitig aber leben wir in unserem Alltag und unserer Gesellschaft, der Christus oft so fremd ist. In ihr versuchen wir Christus erfahrbar und erlebbar zu machen in einer Sprache, die verstanden werden kann.
Wir stehen für Christus ein, sind seine Gesandten und Botschafter.
Es ist eine anspruchsvolle, aber auch eine schöne Aufgabe.
Stellen wir uns ihr immer wieder neu!

Carpe diem

In jener Zeit sprach Jesus: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen. (Lk 13,5b-9)

Fastenzeit ist nicht die Zeit des Umhauens, der Gnadenlosigkeit, sondern es ist die Zeit der Gnade, die Zeit des möglichen Neuanfangs.
Christus, den wir im Winzer erkennen dürfen, gewährt uns diese Zeit, er schenkt sie uns, damit wir sie nutzen. Er will an uns arbeiten, manches umgraben und düngen. Er will Kraft schenken, wo wir in Kraftlosigkeit versinken.
Aber wir müssen ihn an uns arbeiten lassen. Wir dürfen es zulassen, dass er an und mit uns wirkt. Tun wir in dieser österlichen Bußzeit auch wirklich, das, was diese Zeit im Namen trägt: Buße. Das heißt allerdings nicht in Freudlosigkeit und Sack und Asche herumzulaufen, sondern das meint, mich von Jesus erneuern und verwandeln zu lassen. Da wo es nötig ist, müssen wir umkehren, Schuld bekennen und uns Vergebung unserer Schuld im Bußsakrament zusprechen lassen. Auch und ganz besonders hier wirkt Christus an uns.
Nutzen wir diese Zeit der Gnade und des Neuanfangs!
Die Botschaft Gottes ist eine frohe Botschaft, aber sie ist nicht nett und schon gar nicht harmlos. Carpe Diem! – Nutze die Zeit!

Unsere Heimat ist im Himmel!

Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder. (Phil 3, 20 – 4, 1)

Paulus schreibt: „Unsere Heimat ist im Himmel“.
Wir stehen zwar mit beiden Beinen auf dieser Welt.
Aber unsere Verwurzelung haben wir nicht in dieser Welt, nicht in dieser Kirche, in der so viele Sünder zu finden sind.
Nein, unsere Verwurzelung haben wir im Himmel!
Und wer dort seine Verwurzelung hat, der kommt nicht ins Wanken, wenn die Stürme des Lebens kommen, wenn Wirren unsere Kirche hin- und herzerren, wenn der Glaubenszweifel an uns nagt.
Kennzeichen eines solchen Menschen, der seine „Heimat im Himmel“ hat, ist der Hinweis des Paulus:
„Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, unseren Retter“.
Es sind Menschen, die eine lebendige Erwartung des wiederkommenden Herrn haben und nicht ängstlich alles Mögliche erwarten, was wohl noch auf sie zukommt.
„Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.“
Ja, es ist hier oft ein Leben in „Armseligkeit des Leibes“.
Auch Jesus selbst ist diesen armseligen Weg gegangen.
Er musste den Weg des Kreuzes zu Ende gehen.
Aber ganz am Ende steht die Herrlichkeit der Auferstehung.
„Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im der Gemeinschaft mit dem Herrn.“

Festmachen in Gott

In jener Zeit verließ Jesus, erfüllt vom Heiligen Geist, die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger.
Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab. (Lk 4,1-13)

In der Fastenzeit orientieren wir uns an Christus selbst, der sich in den 40 Tagen in der Wüste, wo er den Versuchungen des Teufels ausgesetzt war, festgemacht hat im Glauben und Vertrauen auf den Vater:
Wenn sich der Boden unter den Füßen auftut: sich festmachen in Gott
Wenn der Glaube ins Wanken gerät: sich festmachen in Gott
Wenn das Vertrauen in die Kirche schwindet: sich festmachen in Gott.
Wenn Trauer den klaren Blick trübt: sich festmachen in Gott
Wenn die Erkenntnis des Bösen erschrecken lässt: sich festmachen in Gott.
Wenn persönliche Schuld niederdrückt: sich festmachen in Gott

Es braucht Mut!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? (Lk 6,39)

Aber nicht nur die offensichtliche Blindheit der Augen ist gefährlich, noch viel mehr die Blindheit des Herzens. Wenn die Fähigkeit fehlt, in mich hineinzuschauen, auf die eigenen Notwendigkeiten und Sehnsüchte. Dies zu tun ist besonders herausfordernd, erfordert Mut. Da weicht manch einer lieber aus, lässt da einen blinden Fleck und richtet seinen Blick auf andere, die ja angeblich auch nicht besser sind. Und damit läuft er in die Blindheit weiter hinein.
Wie wäre die Beichtpraxis lebendig, wenn man die Sünden der anderen beichten könnte! 😉
Aber gerade hier dürfen wir uns in den wärmenden, liebevollen Blick Jesu stellen, der Selbsterkenntnis ermöglicht. Wir können die eigene Sehnsucht eingestehen und zur eigenen Bedürftigkeit stehen. Nur so kann Christus unsere Blindheit heilen.
Wir dürfen erkennen: Ich habe nicht alles in der Hand und muss es auch gar nicht haben
Ich darf mich anvertrauen, sowohl Gott, als auch den Menschen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge sind.
Denn der Mut, zu mir selber zu stehen und Barmherzigkeit zu erfahren, befähigt mich zur Barmherzigkeit mit anderen.
Das Wissen, dass keiner von uns das Angenommensein aufgrund seines Gut-Seins und seiner Leistung verdient hat, erleichtert das gegenseitige Annehmen.
Wir haben die Möglichkeit zu Veränderung, Umkehr, Heilung. Nutzen wir sie!

Baum am Wasser

So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.
Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. (Jer 17,5-8)

Ein sehr anschauliches Bild gebraucht der Prophet Jeremia an dieser Stelle und da stellt sich uns heutigen doch sofort die Frage, wo wir uns und unsere Kirche wiederfinden. Nur allzu oft scheint es mir eher der kahle Strauch zu sein, als der Baum am Wasser.
Wo suchen wir persönlich Halt? Wo suchen die Menschen unserer Zeit Halt? Woran macht sich die Kirche, besonders in Deutschland fest?
Viel zu oft sind die Schlagworte, die dann genannt werden müssen Aktien, Wirtschaft, Wohlstand, Geld, Macht. Darum muss in den Augen vieler Zeitgenossen auch der Sonntag dem Kommerz geopfert werden. Sogenannte christliche Politiker opfern den Sonntag für politische Verhandlungen und Gespräche, die sehr gut auch an anderen Tagen geführt werden könnten.
Aber: erwächst aus dieser Haltung Sicherheit, Halt, Verlässlichkeit? Für uns oder unsere Gesellschaft?
Die Kirche in Deutschland ist zwar die reichste Kirche der Welt, aber wer behaupten würde, dass die deshalb auch im Glauben stark und gefestigt sei, läge sehr weit von der Realität entfernt. Es gibt zwar Pastoralpläne zuhauf, Unternehmensberatungen die das pastorale Personal schulen, Kardinäle, Bischöfe, Gremien etc., Gespräche und Diskussionen ohne Ende. Aber all das beseitigt weder den Priestermangel, noch den Gläubigenmangel und legt auch nicht die Richtungsstreite bei, die allseits munter ausgetragen werden.
Kann es sein, dass ganz einfach nur die Aufforderung vergessen wurde: „Bittet den Herrn“?

In all dem ist Gott ganz einfach nicht mehr die entscheidende Größe, der Bezugspunkt, der Dreh- und Angelpunkt, auf den wir setzen und von dem wir alles erwarten.

Oder worauf verlassen wir uns im alltäglichen Leben? An den Krisen- und Wendepunkten des Lebens.
Spielt Gott da eine Rolle? Oder setze ich da lieber auf eine Versicherung, die man für alle möglichen und unmöglichen Falle abschließen kann.

Es geht auch anders!
Das zeigen uns die „Orte des Glaubens“: Taizé, Lourdes, Fatima, … verschiedene Klöster etc.
Hier sammeln sich Menschen die auf Gott setzen, die ihre Fühler auf Gott hin ausstrecken – und die das Eingreifen Gottes erfahren.
Sie strahlen Gewissheit, Stärke, Halt aus, die beeindruckt.
Es gilt eben nicht nur „Verflucht der Mann…“ sondern eben auch „Gesegnet der Mann…“

Ein für jeden erreichbarer Ort des Glaubens ist auch der Altar in der heimatlichen Kirche. Hier, um den Altar, um Christus versammelt, können wir unsere Fühler zu ihm hin ausstrecken, können wir die Wurzeln zur Quelle des Lebens in der Eucharistie vorantreiben. Hier können wir neuen Halt gewinnen und vertrauensvoll den Weg mit Gott gehen.
Wir müssen es nur wagen.

Das erfolglose Boot

Als Jesus seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. (Lk 5,4-8)

Warum steigt Jesus gerade in das „erfolglose“ Boot des Petrus?
Es gab doch sicher dort auch andere „erfolgreichere“, stolzere und repräsentativere Boote als Alternative.
Aber Erfolg ist hier offensichtlich nicht das oberste Auswahlkriterium Jesu
Er sucht Menschen, die bereit sind, ganz auf ihn zu vertrauen, die auf die Kraft und Gnade Gottes setzen und von ihr alles erwarten. Hier trifft wohl auch das geflügelte Wort, dass Erfolg keiner der Namen Gottes ist.
Die Worte Gnade, Erbarmen, Liebe kommen da Gott und der Beschreibung seines Wirkens wohl schon näher.
Wir dürfen Jesus und damit Gott (wieder) in das Boot unseres Lebens hineinlassen.
Wenn wir dann im Angesicht seiner Größe erschrecken, dürfen wir im gleichen Augenblick von seiner Gnade, seinem Erbarmen, seiner Liebe alles erhoffen.