Gesandte an Christi statt

Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. (2 Kor 5,17-21)

„Wir sind also Gesandte an Christi statt“ (2 Kor 5,20)
Als Christen sind wir Botschafter Christi.
Ein Botschafter repräsentiert sein eigenes Land in einem Gastland und tritt dort für die Interessen seines Landes ein. Er steht ständig in der Spannung, ganz dem Heimatland verpflichtet zu sein und im Gastland die eigenen Werte, Normen und Ansichten zu vertreten. Er taucht in die Fremdheit des Gastlandes ein, ohne das Eigene aufzugeben und im Fremden aufzugehen.
Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmen auch wir uns als Christen. Wir sind in Christus beheimatet, sind ihm und seiner Botschaft verpflichtet und identifizieren uns mit ihm. Gleichzeitig aber leben wir in unserem Alltag und unserer Gesellschaft, der Christus oft so fremd ist. In ihr versuchen wir Christus erfahrbar und erlebbar zu machen in einer Sprache, die verstanden werden kann.
Wir stehen für Christus ein, sind seine Gesandten und Botschafter.
Es ist eine anspruchsvolle, aber auch eine schöne Aufgabe.
Stellen wir uns ihr immer wieder neu!

Unsere Heimat ist im Himmel!

Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder. (Phil 3, 20 – 4, 1)

Paulus schreibt: „Unsere Heimat ist im Himmel“.
Wir stehen zwar mit beiden Beinen auf dieser Welt.
Aber unsere Verwurzelung haben wir nicht in dieser Welt, nicht in dieser Kirche, in der so viele Sünder zu finden sind.
Nein, unsere Verwurzelung haben wir im Himmel!
Und wer dort seine Verwurzelung hat, der kommt nicht ins Wanken, wenn die Stürme des Lebens kommen, wenn Wirren unsere Kirche hin- und herzerren, wenn der Glaubenszweifel an uns nagt.
Kennzeichen eines solchen Menschen, der seine „Heimat im Himmel“ hat, ist der Hinweis des Paulus:
„Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, unseren Retter“.
Es sind Menschen, die eine lebendige Erwartung des wiederkommenden Herrn haben und nicht ängstlich alles Mögliche erwarten, was wohl noch auf sie zukommt.
„Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes.“
Ja, es ist hier oft ein Leben in „Armseligkeit des Leibes“.
Auch Jesus selbst ist diesen armseligen Weg gegangen.
Er musste den Weg des Kreuzes zu Ende gehen.
Aber ganz am Ende steht die Herrlichkeit der Auferstehung.
„Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im der Gemeinschaft mit dem Herrn.“

Es braucht Mut!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? (Lk 6,39)

Aber nicht nur die offensichtliche Blindheit der Augen ist gefährlich, noch viel mehr die Blindheit des Herzens. Wenn die Fähigkeit fehlt, in mich hineinzuschauen, auf die eigenen Notwendigkeiten und Sehnsüchte. Dies zu tun ist besonders herausfordernd, erfordert Mut. Da weicht manch einer lieber aus, lässt da einen blinden Fleck und richtet seinen Blick auf andere, die ja angeblich auch nicht besser sind. Und damit läuft er in die Blindheit weiter hinein.
Wie wäre die Beichtpraxis lebendig, wenn man die Sünden der anderen beichten könnte! 😉
Aber gerade hier dürfen wir uns in den wärmenden, liebevollen Blick Jesu stellen, der Selbsterkenntnis ermöglicht. Wir können die eigene Sehnsucht eingestehen und zur eigenen Bedürftigkeit stehen. Nur so kann Christus unsere Blindheit heilen.
Wir dürfen erkennen: Ich habe nicht alles in der Hand und muss es auch gar nicht haben
Ich darf mich anvertrauen, sowohl Gott, als auch den Menschen, die mit mir auf dem Weg der Nachfolge sind.
Denn der Mut, zu mir selber zu stehen und Barmherzigkeit zu erfahren, befähigt mich zur Barmherzigkeit mit anderen.
Das Wissen, dass keiner von uns das Angenommensein aufgrund seines Gut-Seins und seiner Leistung verdient hat, erleichtert das gegenseitige Annehmen.
Wir haben die Möglichkeit zu Veränderung, Umkehr, Heilung. Nutzen wir sie!

Baum am Wasser

So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.
Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. (Jer 17,5-8)

Ein sehr anschauliches Bild gebraucht der Prophet Jeremia an dieser Stelle und da stellt sich uns heutigen doch sofort die Frage, wo wir uns und unsere Kirche wiederfinden. Nur allzu oft scheint es mir eher der kahle Strauch zu sein, als der Baum am Wasser.
Wo suchen wir persönlich Halt? Wo suchen die Menschen unserer Zeit Halt? Woran macht sich die Kirche, besonders in Deutschland fest?
Viel zu oft sind die Schlagworte, die dann genannt werden müssen Aktien, Wirtschaft, Wohlstand, Geld, Macht. Darum muss in den Augen vieler Zeitgenossen auch der Sonntag dem Kommerz geopfert werden. Sogenannte christliche Politiker opfern den Sonntag für politische Verhandlungen und Gespräche, die sehr gut auch an anderen Tagen geführt werden könnten.
Aber: erwächst aus dieser Haltung Sicherheit, Halt, Verlässlichkeit? Für uns oder unsere Gesellschaft?
Die Kirche in Deutschland ist zwar die reichste Kirche der Welt, aber wer behaupten würde, dass die deshalb auch im Glauben stark und gefestigt sei, läge sehr weit von der Realität entfernt. Es gibt zwar Pastoralpläne zuhauf, Unternehmensberatungen die das pastorale Personal schulen, Kardinäle, Bischöfe, Gremien etc., Gespräche und Diskussionen ohne Ende. Aber all das beseitigt weder den Priestermangel, noch den Gläubigenmangel und legt auch nicht die Richtungsstreite bei, die allseits munter ausgetragen werden.
Kann es sein, dass ganz einfach nur die Aufforderung vergessen wurde: „Bittet den Herrn“?

In all dem ist Gott ganz einfach nicht mehr die entscheidende Größe, der Bezugspunkt, der Dreh- und Angelpunkt, auf den wir setzen und von dem wir alles erwarten.

Oder worauf verlassen wir uns im alltäglichen Leben? An den Krisen- und Wendepunkten des Lebens.
Spielt Gott da eine Rolle? Oder setze ich da lieber auf eine Versicherung, die man für alle möglichen und unmöglichen Falle abschließen kann.

Es geht auch anders!
Das zeigen uns die „Orte des Glaubens“: Taizé, Lourdes, Fatima, … verschiedene Klöster etc.
Hier sammeln sich Menschen die auf Gott setzen, die ihre Fühler auf Gott hin ausstrecken – und die das Eingreifen Gottes erfahren.
Sie strahlen Gewissheit, Stärke, Halt aus, die beeindruckt.
Es gilt eben nicht nur „Verflucht der Mann…“ sondern eben auch „Gesegnet der Mann…“

Ein für jeden erreichbarer Ort des Glaubens ist auch der Altar in der heimatlichen Kirche. Hier, um den Altar, um Christus versammelt, können wir unsere Fühler zu ihm hin ausstrecken, können wir die Wurzeln zur Quelle des Lebens in der Eucharistie vorantreiben. Hier können wir neuen Halt gewinnen und vertrauensvoll den Weg mit Gott gehen.
Wir müssen es nur wagen.

Das erfolglose Boot

Als Jesus seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. (Lk 5,4-8)

Warum steigt Jesus gerade in das „erfolglose“ Boot des Petrus?
Es gab doch sicher dort auch andere „erfolgreichere“, stolzere und repräsentativere Boote als Alternative.
Aber Erfolg ist hier offensichtlich nicht das oberste Auswahlkriterium Jesu
Er sucht Menschen, die bereit sind, ganz auf ihn zu vertrauen, die auf die Kraft und Gnade Gottes setzen und von ihr alles erwarten. Hier trifft wohl auch das geflügelte Wort, dass Erfolg keiner der Namen Gottes ist.
Die Worte Gnade, Erbarmen, Liebe kommen da Gott und der Beschreibung seines Wirkens wohl schon näher.
Wir dürfen Jesus und damit Gott (wieder) in das Boot unseres Lebens hineinlassen.
Wenn wir dann im Angesicht seiner Größe erschrecken, dürfen wir im gleichen Augenblick von seiner Gnade, seinem Erbarmen, seiner Liebe alles erhoffen.

Provozierend…

In jener Zeit begann Jesus in der Synagoge in Nazareth darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt. Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt. wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman. Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut. Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg. (Lk 4,2130)

Da provoziert Jesus die Juden in der Synagoge aber heftig. Verständlich, dass sie aufbrausen, dass sie in Rage geraten, ihn an den Rand drängen und am liebsten zum Absturz bringen wollen. Denn sie sind gläubige Menschen und kennen sich in der Schrift aus. Und da kommt er, der den sie doch schon seit Jahren kennen, den dessen Herkunft sie zu kennen glauben und bietet ihnen neue Einsichten an. Das muss herausfordern, das kann überfordern.
Kann auch uns das Wort Gottes noch provozieren, herausfordern und manchmal gar überfordern?
Mir scheint, dass es diese Kraft oftmals verloren hat, weil Glaube verkümmert, verdunstet, oder einfach verloren gegangen ist. Das Wort Gottes, na und? Das ist etwas für den Sonntag und für den Kirchraum!
Aber Glaube ist eben nicht etwas, das noch so dazu kommt, das man sonntags mal rausholt und in der Woche dann wieder zur Seite legt.
Wenn ich aus der Bibel, aus der Geschichte Gottes mit seinem Volk weiß, wie sehr Gott sich um sein Volk sorgt, wenn es zu ihm ruft, dann ist es mir keine Last zu beten, sondern dann weiß ich, wenn ich zu Gott rufe, dann hört er mich und handelt !!
Wenn ich weiß, Gott liebt mich und schaut mich wertschätzend an, dann können andere Menschen an mir rauf und runter schauen, mich taxieren und in ihre Schubladen der (Vor-) Urteile einsortieren. Was soll´s? Was ist das gegen den liebenden Blick Gottes und sein stärkendes Wort?
Das Einzige, was mich dann noch provozieren kann sind Worte Jesu. Wenn mich seine Worte nicht mehr provozieren, dann gehe ich Ihnen nicht mehr nach und entdecke auch nicht, dass Gott auch die nicht aus dem Blick verliert, die eine neue Chance brauchen.
Und wie oft brauche auch ich selber diese neue Chance!
Wir brauchen keine perfekten Menschen zu sein, aber wir müssen mit ihm rechnen, uns ihm anvertrauen, auf ihn schauen, uns von ihm herausfordern lassen, dann gehören wir zu seinem Volk und er führt uns zur Heiligkeit.

Ganz persönlich

Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest. (Lk 1,3-4)

Das Wort Gottes ist keine Massendrucksache an irgendwen, es ist ein ganz persönliches Wort: „für dich, hochverehrter Theophilus“ – Also ein ganz konkreter Adressat, für den sich Lukas die Mühe macht, das Leben Jesu aufzuschreiben und darüber zu berichten.
Wenn wir diese Stelle im Evangelium lesen, dann wissen wir zu einem, dass hier kein Phantast eine ersonnene Geschichte niederschreibt, sondern ein der Historie und dem Leben und Wort Jesu verpflichteter akribisch berichtet. Und zum anderen wird deutlich, dass alles nicht im luftleeren Raum geschieht, sondern sich an einen ganz konkreten Adressaten wendet.
Wir dürfen als heutige Hörer dieses Evangeliums auch ruhig unseren eigenen Namen anstelle des „Theophilus“ einsetzen. Wir, die wir uns selbst als Freunde Jesu empfinden dürfen, können uns von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der wir unterwiesen wurden.
Lukas hat das alles für mich persönlich zusammengestellt, für mich persönlich Zeit, Mühe und Liebe aufgewendet, um mich mit dieser Frohen Botschaft in Berührung zu bringen:
Hier wird mir ein ganz persönliches Wort der Wertschätzung zugesprochen, das mich erreichen und mich bewegen will. Es will für mich zur Frohen Botschaft werden.

Fordert Gott zu viel?

Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel. Dann sehen die Völker deine Gerechtigkeit und alle Könige deine strahlende Pracht. Man ruft dich mit einem neuen Namen, den der Mund des Herrn für dich bestimmt. (Jes 62,1-2)

„Gott fordert zu viel von mir. Das bin ich nicht bereit zu leisten. Das kann oder will ich ihm nicht geben.“ Das sind manchmal die spontanen Reaktionen auf das Wort Gottes, das ja auch immer wieder fordernd und herausfordernd sein kann. Und dahinter steht der Gedanke, das Gott etwas von mir will und unausgesprochen auch immer die Vorstellung Gott wolle etwas von uns für sich.
Aber Gott will nichts für sich. Das sagt Jesaja ganz unmissverständlich: „Um Zions willen kann ich nicht schweigen, um Jerusalems willen nicht still sein, bis das Recht in ihm aufstrahlt wie ein helles Licht und sein Heil aufleuchtet wie eine brennende Fackel.“ (Jes 62,1)
„Um Jerusalems willen“, also um der Menschen willen, um unseretwillen. Es geht Gott bei seiner Wegweisung nicht um sich. Es geht ihm um uns! Gott will nichts für sich!
Er will uns hilfreich sein, er will unser Leben erleichtern, er will unser Leben zu einem geglückten und lebenswerten Leben werden lassen. Gott will die Fülle des Lebens und zwar für uns Menschen.
Was sind wir bereit, dafür zu investieren?