Nach langer Nacht – ein neuer Morgen

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21,1-14)

Dieser Fischfang ist ein Symbol für die Kirche (das Schiff Petri) über Raum und Zeit hinweg bei ihrer apostolischen Aufgabe, Seelen zu gewinnen.
Das Leben und Werk der Kirche, so scheint uns Johannes sagen zu wollen, wird ein langwieriges Vorhaben in der Dämmerung sein, eine harte Arbeit, die oft wenig oder gar keine Früchte zu tragen scheint.
Aber nach der langen Nacht wird der Beginn eines neuen Lebens und einer neuen Ordnung aufbrechen, die neue Wirklichkeit, die mit Jesus begonnen hat. Der Fischfang, den er ermöglicht, ist die Gesamtheit der Menschen, die Christus für sich sammeln wird. Es ist das neue Israel, die endzeitliche Kirche. Wir wissen dies durch die Symbolik dieses Evangeliums. Wenn die Fische an Land gezogen werden, macht sich Johannes die Mühe, uns ihre genaue Anzahl 153 mitzuteilen – eine Zahl, die in der Antike häufig verwendet wird, um die Gesamtzahl der Fischarten im Meer zu bezeichnen.

Ein herzlicher Gruß nach Castrop-Rauxel!

Sie haben den Namen des „Neuen“ gehört, seinen Namen einfach mal „gegoogelt“ und sind hier gelandet?
Dann seien Sie ganz herzlich gegrüßt!
Auf diesen Webseiten bin ich eher privat unterwegs.
Ich freue mich, dass Sie mindestens genauso gespannt sind auf den Priester, der da neu in den Pastoralverbund Castrop-Rauxel-Süd, in das Pastoralteam und die Gemeinden kommt, wie auch ich gespannt bin auf Sie und die Menschen, denen ich bei Ihnen begegnen werde.
In mir steigt zunehmend die Vorfreude, ab Oktober mit Ihnen Christ und für Sie Priester sein zu dürfen. Spätestens dann werden wir uns auch persönlich kennenlernen und sicher noch so manche „Informationslücke“ schließen können.
Was mir aber besonders wichtig ist:
Wir werden gemeinsam den Glauben leben dürfen, die Eucharistie miteinander feiern können und uns und unser Leben immer wieder neu auf Christus ausrichten.
All das durfte ich in den letzten 18 Jahren als Pfarrer der Pfarrei St. Agatha Altenhundem und damit als Leiter des Pastoralverbundes Pastoraler Raum Lennestadt tun.
Ein Pastoraler Raum, bestehend aus 12 Pfarreien, etlichen Kapellengemeinden und 43 Ortschaften im südlichen Sauerland im Kreis Olpe. Es ist einer der größten Pastoralen Räume im Südsauerland.
Es war und ist mir eine Freude und Ehre, hier Priester sein zu dürfen.
Die Menschen hier haben es möglich gemacht, dass ich als gebürtiger Ruhrgebietler (Lünen) im Sauerland eine Heimat gefunden habe und dafür bin ich von Herzen dankbar.
In den vergangenen Jahren sind so viele Verbindungen gewachsen, habe ich so viele Menschen kennen- und schätzen gelernt, durfte ich so viel an Glauben erleben und begleiten, dass ich den Gedanken an einen Wechsel bis vor einigen Wochen noch gar nicht ernsthaft in Erwägung gezogen habe.
Dann hat allerdings im Advent 2020 mein Körper nach etlichen Anforderungen ganz plötzlich signalisiert, dass die Kräfte endlich sind. Es war eine Phase, aus der ich dankenswerterweise recht zügig, u.a. auch durch die Unterstützung lieber Menschen, schnell wieder herausgefunden habe. Gesundheitlich ist alles wieder in Ordnung.
Aber dieses Erlebnis war mir ein Anstoß, über meine Zukunft nachzudenken.
Das Ergebnis dieser Überlegungen und eines sehr intensiven, offenen und angenehmen Gespräches mit dem Pastoralteam des Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd war die Bewerbung auf die ausgeschriebene Pfarrstelle. Diese hat unser Herr Erzbischof nun angenommen und mich mit Wirkung zum 1. Oktober 2021 zum Pfarrer der Pfarrei St. Lambertus Castrop-Rauxel ernannt, mit der die Leitung des Pastoralverbundes Castrop-Rauxel-Süd verbunden ist.

Neben der Aussicht auf die Rückkehr in etwas „heimatlichere“ Gefilde, und die im Vergleich zu Lennestadt etwas übersichtlichere Größe des Pastoralverbundes, war für meine Bewerbung auch die Tatsache ausschlaggebend, dass ich in meinem Alter (Jg. 1965) noch einmal die Möglichkeit sehe, ein neues soziales Umfeld aufzubauen, was mit zunehmendem Alter natürlich immer schwieriger wird.
Dabei hoffe ich auf Ihre Unterstützung und Ihr Wohlwollen. Gerne würde ich mich schnell bei Ihnen einleben, um auch innerlich anzukommen.
Was mich angeht, so stehen die Tore dazu weit offen. Ich freue mich auf Sie, auf die Menschen, auf die Arbeit in unseren und für unsere Gemeinden und auf den Glauben, den wir gemeinsam leben dürfen.
Jetzt sind zunächst die praktischen Voraussetzungen für den Stellenwechsel zu schaffen und manche organisatorischen Dinge zu klären, damit hoffentlich der Wechsel zum Anfang Oktober reibungslos klappt.

Ich freue mich auf unsere gemeinsame Zeit und grüße Sie sehr herzlich
Christoph Gundermann, Pfarrer

Ostern ist unsere Erlösung!

Friedhöfe sind Orte des Nachdenkens, des Dankes, des Gedenkens.
Sie sind Orte der Ruhe und Endgültigkeit.
Das Letzte, was man an einem Grab erwarten würde, ist Neuheit und Überraschung.
Aber dann ist da das Grab Jesu.
In der Bibel wird uns berichtet, dass drei Frauen, Freunde und Jünger Jesu, am frühen Sonntagmorgen nach seiner Kreuzigung zum Grab ihres Meisters kamen, um seinen Leichnam zu salben.
Sie gingen sicher davon aus, dass sie sich, während sie sich dieser Aufgabe widmen, wehmütig an die Dinge erinnern würden, die ihr Freund gesagt und getan hatte.
Vielleicht würden sie ihren Frust über diejenigen zum Ausdruck bringen, die ihn an diesen Punkt gebracht hatten, ihn in seiner Stunde der Not verraten und verleugnet hatten und davongelaufen waren. Sicherlich erwarteten sie, in ihrem Kummer zu weinen.
Aber als sie ankamen, stellten sie zu ihrer Überraschung fest, dass der schwere Stein vom Eingang des Grabes weggerollt worden war. Waren Grabräuber am Werk gewesen?
Ihr Erstaunen verstärkte sich noch, als sie beim Blick in das Grab nicht den Leichnam Jesu sahen, sondern einen jungen Mann in Weiß, der verkündete: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!“ (Mt 28,5-6)
Die Botschaft des geheimnisvollen Boten war, nicht, dass jemand in dieses Grab eingebrochen war, sondern dass jemand ausgebrochen war.
In der Version des Markusevangeliums, der frühesten, die wir haben – wird die Reaktion der Frauen wie folgt beschrieben: „Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt.” (Mk 16,8)
Sind für uns die Gräber unserer Verstorbenen eher Orte dankbarer Erinnerung und stillen Gedenkens, so ist das Grab Jesu so verstörend, dass Menschen vor Angst davonlaufen.
Gerade heute sollten wir uns wieder dieser Verstörung, dieser Störung unseres Denkens, dieser Ungeheuerlichkeit von Ostern stellen.
Ostern ist unbegreiflich und die Botschaft von Ostern kann uns erschrecken, kann uns neu aufschrecken.
Stellen wir uns wieder der Ungeheuerlichkeit der österlichen Botschaft von der Auferstehung Jesu und reden wir sie nicht klein und versuchen wir sie nicht zu verharmlosen. Ostern ist kein Symbol, ist keine Metapher, ist kein Trugbild unserer Phantasie.
Ostern ist kein Mythos.
Ostern ist unsere Erlösung!
Das darf uns erschrecken, das darf uns verstören, das darf uns unfassbar erscheinen…
Das ist aber vor allem eines: Frohe Botschaft – Evangelium.
Und wir dürfen es staunend annehmen, so wie es die Jünger Jesu taten, als die dem Auferstandenen begegneten.
Als seine Apostel ihn nach seinem Tod wieder lebend sahen, wussten sie mit Gewissheit, dass er der ist, als der er sich selbst bezeichnet hatte, als Sohn Gottes. Sie fanden seine Worte auf die überraschendste und überzeugendste Art und Weise bestätigt.
Wunderbar ist es zusammengefasst, im Bekenntnis des Thomas, des ehemaligen Zweiflers, der, als er den auferstandenen Herrn sah, auf die Knie fiel und einfach sagte: „Mein Herr und mein Gott.“

Jesus lebt, mit ihm auch ich!!

Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Jesus lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ich bin gewiss:
Nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
“Herr, Herr, meine Zuversicht!”
(GL 336)

Wir werden dieses schöne Osterlied, das sich im Gotteslob als eines der neueren Lieder seit der Neuauflage findet, in diesem Jahr (wieder) nicht gemeinsam in den Kirchen singen können. Die Coronalage, die seit über einem Jahr unser Leben an allen Ecken und Enden beeinflusst, hält uns davon ab.
Aber verliert das Lied deshalb etwas von seiner Aussage?
Ist es deshalb weniger zutreffend?
Geradezu trotzig möchte ich es der Tristesse entgegenstellen, die sich in der Coronazeit immer wieder in unseren Gemütern breit machen will.
Das Lied ist eine schöne musikalische Zusammenstellung unseres Glaubens, der in dieser Krisenzeit sicher heftig angefragt wird.
Aber müssen wird deshalb am Glauben, müssen wir an Gott, an Christus, an der Zuversicht, die wir jahrzehntelang eingeübt haben zweifeln?
Eher ist es doch wie bei einem Baum.
Wenn er lange von den Stürmen und heftigen Winden völlig hin- und hergeworfen wird, wenn seine Zweige gerupft werden, dann treibt er geradezu trotzig seine Wurzeln tiefer in den Boden und gewinnt dadurch einen nur um so sicheren Halt und festeren Stand.
Natürlich werden auch wir, wird auch unser Glaube momentan mal wieder ganz heftig angefragt, durch Corona, durch Krisen in der Kirche, durch persönliche Schicksalsschläge.
Aber eines wissen wir in all dem:
Jesus lebt – Ostern ist kein Märchen, sondern Glaubensgewissheit!
Jesus hat längst alle Mächte der Welt durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung für uns besiegt!
Seine Treue wanket nicht!
Dies ist meine Zuversicht!
Und hoffentlich auch die Ihre!

Und so wünsche ich allen Besuchern der Website daher auch in diesem Jahr ein gesegnetes Osterfest

Ihr
Christoph Gundermann, Pfr.

Der Blick ins Grab

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später auslieferte, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus jedoch sagte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt! Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. Eine große Menge der Juden hatte erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohepriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten. (Joh 12,1-11)

Maria von Bethanien salbt Jesus für seinen Tod und sein Begräbnis.
Durch diese Tat nimmt sie den Besuch der drei Frauen am Grab Jesu vorweg.
Am frühen Morgen des ersten Tages der Woche werden Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus und Salome wohlriechende Öle bringen, um den Leib Jesu zu salben.
Sie werden hineinschauen in das Grab und einen jungen Mann sehen – und sehr erschrocken sein.
Man stelle sich das vor!
Man blickt in ein Felsengrab hinein und erwartet, eine Leiche zu sehen, und stattdessen sitzt da jemand, der lebt und gesund ist – jemand, völlig anderes, als derjenige, der dort begraben wurde!
Aber das wird nicht das Ende ihrer Überraschung sein.
Der Mann wird verkünden, dass dieser Jesus, den sie suchen, nicht da ist, dass er auferweckt wurde und ihnen nach Galiläa vorausgehen wird.
Aus diesem Blick in das Grab Jesu können wir lernen, dass alles, was wir für richtig hielten, nicht die einzige und letzte Wahrheit ist.
Gott ist der Feind des Todes, und er hat uns seine Macht über den Tod auf einzigartige und unüberbietbare Weise gezeigt.
Unser Leben braucht nicht länger von der Angst vor dem Tod beherrscht zu werden.
Wir sehen den Beweis dafür auf die lebendigste Art und Weise, die man sich vorstellen kann. Denken wir schon jetzt daran, wenn wir diese Szene betrachten in der Maria von Bethanien die Füße Jesu salbt.

Das Gebet des Zöllners

Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Gleichnis:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stellte sich hin und sprach bei sich dieses Gebet:
Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wollte nicht einmal seine Augen zum Himmel erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt nach Hause hinab, der andere nicht.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
(Lukas 18,9-14)

Hier erzählt Jesus vom Pharisäer und dem Zöllner – also vom rechtschaffenen und vom ungerechten Menschen -, die beide den Tempel betreten, um zu beten.
Aber welch ein Unterschied in ihrer Art zu beten!
Der ganze Sinn der Religion besteht doch darin, Gottes Größe demütig zu erkennen und uns für den Weg der Liebe zu öffnen.
Alles andere ist mehr oder weniger Beiwerk, ist Randbemerkung.
Liturgie, Gebet, die Vorschriften der Kirche, die Gebote, Sakramente, Sakramentalien – all dies – soll uns auf den Weg der Liebe bringen. Wenn wir uns davon entfernen, dann wird dieser Weg der Liebe untergraben.
Sowohl der heilige Paulus als auch die Evangelisten – und natürlich auch Jesus selbst – sind sich dieser Gefahr sehr bewusst.
Genau deshalb spricht Paulus von den Gefahren des Gesetzes.
Er wusste, dass es Leute gibt die das Gesetz als Waffe benutzen:
Da sie genau wissen, was richtig und was falsch ist, fühlen sie sich dazu legitimiert, andere auf Ihre Fehler hinzuweisen.
Und wer das tut, der stellt sich über den anderen.
Die zehn Gebote, eigentlich ein Geschenk Gottes, werden für die eigenen Zwecke missbraucht, werden zum Mittel, das Ego zu stärken.

Wie können wir das Gebet des Zöllners in unser eigenes spirituelles Leben integrieren?

Fasten! – Aber wie?

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden;
sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden!
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler!
Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden.
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu;
dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!
Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler!
Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten.
Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist;
und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. (Mt 6,1–6.16–18)

Mitgefühl ist der Schlüssel zur christlichen Ethik, das Lernen, mit dem anderen zu leiden und mit ihm zu fühlen. Wir haben es nicht mit einer abstrakten Moralphilosophie zu tun, sondern mit etwas sehr Konkretem und Lebensnahen.
Genau deshalb sind die beiden großen Gebote so eng miteinander verbunden:
„Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen… und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer einen anderen Menschen wirklich liebt, der spürt instinktiv, was ihn bewegt und wie es ihm innerlich wirklich geht, was er empfindet.
In unserem Verhältnis zu Gott ist das ähnlich:
Wer Gott liebt, der empfindet die Gefühle Gottes nach, und Gott hat Mitleid mit den Armen und Unterdrückten.
Das ist alles, was ein Mensch braucht, der sich an der Bibel orientieren will.
Vielleicht kann es helfen, einen guten Einstieg in die Fastenzeit zu finden, wenn wir uns die Frage stellen:
Wie kann uns unser Verhalten in der Fastenzeit, insbesondere Gebet, Almosen und Fasten, zu einer tieferen Beziehung mit Christus führen?

Glaube und Vertrauen

In jener Zeit kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit Jesus; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen.
Da seufzte er tief auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, das sage ich euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer. (Markus 8,11-13)

Die Pharisäer wollen Jesus prüfen, weil sie weder Glauben an ihn noch Vertrauen auf ihn haben.
Der Glaube ist eine Haltung des Vertrauens in die Gegenwart Gottes.
Glaube ist Offenheit für das, was Gott offenbaren und tun will und wozu er uns einlädt.
Es sollte klar sein, dass wir im Umgang mit dem unendlichen, allmächtigen und persönlichen Gott niemals die Kontrolle haben. Der Glaube geht weit über unser Verstehen hinaus.
Wenn wir Gottes Handeln herausfinden, genau berechnen, mit vollständiger Genauigkeit vorhersagen könnten, wären wir verantwortlich – und per Definition haben wir es nicht mit einer alltäglichen Person zu tun.
Würden wir eine der genannten Umschreibungen verwenden, um über unsere Beziehung zum Ehemann, zur Ehefrau oder unserem besten Freund zu sprechen?
Stattdessen gehen wir mit solchen Menschen ein sich immer weiter vertiefendes Vertrauensverhältnis ein.
Eine der grundlegendsten Glaubensbezeugungen lautet: In unserem Leben geht es nicht um uns.
Wir haben nicht die absolute Kontrolle. Wir sind vielmehr Teil von Gottes großartigem Plan.
Dies aus tiefstem Herzen zu glauben und entsprechend zu handeln, bedeutet, Glauben zu haben.

Covid-19-Gebet – Eine geistliche Betrachtung

„Du sollst den Herrn Deinen Gott lieben, von ganzem Herzen und Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Gott unser Vater, du bittest uns ständig, unsere Masken fallen zu lassen und unser wahres Ich zu zeigen. Wenn wir momentan unsere Mund-Nasenbedeckung aufsetzen und darauf achten, dass andere sie korrekt tragen, hilf uns, in diesem Tun kein Verstecken oder Bedecken unseres wahren Ich zu sehen. Hilf uns, dieses Tun als eine beständige Frage zu verstehen, wer wir wirklich sind: Menschen, die dazu aufgerufen sind, Dinge aus Liebe zum Nächsten zu tun. Wenn ich meinen Nächsten schütze, indem ich meine Maske trage, und mein Nächster mich beschützt, indem er seine trägt, können unsere Masken zu Symbolen gegenseitiger Liebe werden.

Du forderst uns auf, miteinander zu gehen. Aber wir sind jetzt, in diesen Zeiten dazu aufgerufen, einen sicheren Abstand voneinander einzuhalten.
Mögen wir durch den Sicherheitsabstand, der dadurch geschaffen wurde, in die Lage versetzt werden, uns auf eine neue Art und Weise zu sehen. Möge die neue Perspektive, die wir dadurch erhalten, es uns ermöglichen, einen tieferen Einblick zu erhalten und etwas Neues in uns selbst, in anderen und im Leben zu entdecken. Mögen wir nichts für selbstverständlich nehmen. Mögen wir überrascht und bereichert sein von dem, was wir aus unserer neuen Sicht auf das Leben entdecken. In dieser neuen Sichtweise können wir alle die Gnade erhalten, auf neue und kreative Weise zu wachsen.

Du forderst uns auf, unsere Hände in Freundschaft und Liebe auszustrecken. Derzeit aber sind wir aufgefordert, unsere Hände nicht zum Handschlag zu reichen und sie zu desinfizieren.
Hilf uns beim Händewaschen daran zu denken, dass eine Hand die andere wäscht.
Wie unsere Hände, so brauchen auch wir uns gegenseitig. Allein können wir nicht leben.
Hilf uns, zu erkennen, dass wir mit unseren Händen Gutes tun und verletzen können. Möge uns dieser Gedanke daran erinnern, unsere Hände liebevoll, fürsorglich, sanft und stärkend zu benutzen. Wenn wir auch derzeit einander nicht die Hand reichen sollten, so können wir doch unserem Nächsten helfen, seine Last zu tragen.

Nicht nur das Virus hat in dieser Zeit die Chance, zu wachsen. Auch Angst, Misstrauen, Vorurteile, Paranoia und Einsamkeit können unter dem Deckmantel dieser Pandemie gedeihen. In den Momenten, in denen wir uns ohnmächtig fühlen, zähme unsere Angst.
In den Momenten, in denen wir meinen, den Boden unter den Füßen zu verlieren, gib uns Halt.
In den Momenten, in denen es uns schwerfällt, zu vertrauen und wir uns unsicher fühlen, gib uns die Unterstützung, die wir brauchen.
Und wenn wir uns allein fühlen, erinnere uns daran, wer uns wirklich liebt und an Dein Versprechen, immer bei uns zu sein als unser Freund und Begleiter. Amen.

(Fr. Michael Collins, St. Patrick’s College, Maynooth,
Übersetzung: Pfr. Christoph Gundermann, Lennestadt)