Covid-19-Gebet – Eine geistliche Betrachtung

„Du sollst den Herrn Deinen Gott lieben, von ganzem Herzen und Deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Gott unser Vater, du bittest uns ständig, unsere Masken fallen zu lassen und unser wahres Ich zu zeigen. Wenn wir momentan unsere Mund-Nasenbedeckung aufsetzen und darauf achten, dass andere sie korrekt tragen, hilf uns, in diesem Tun kein Verstecken oder Bedecken unseres wahren Ich zu sehen. Hilf uns, dieses Tun als eine beständige Frage zu verstehen, wer wir wirklich sind: Menschen, die dazu aufgerufen sind, Dinge aus Liebe zum Nächsten zu tun. Wenn ich meinen Nächsten schütze, indem ich meine Maske trage, und mein Nächster mich beschützt, indem er seine trägt, können unsere Masken zu Symbolen gegenseitiger Liebe werden.

Du forderst uns auf, miteinander zu gehen. Aber wir sind jetzt, in diesen Zeiten dazu aufgerufen, einen sicheren Abstand voneinander einzuhalten.
Mögen wir durch den Sicherheitsabstand, der dadurch geschaffen wurde, in die Lage versetzt werden, uns auf eine neue Art und Weise zu sehen. Möge die neue Perspektive, die wir dadurch erhalten, es uns ermöglichen, einen tieferen Einblick zu erhalten und etwas Neues in uns selbst, in anderen und im Leben zu entdecken. Mögen wir nichts für selbstverständlich nehmen. Mögen wir überrascht und bereichert sein von dem, was wir aus unserer neuen Sicht auf das Leben entdecken. In dieser neuen Sichtweise können wir alle die Gnade erhalten, auf neue und kreative Weise zu wachsen.

Du forderst uns auf, unsere Hände in Freundschaft und Liebe auszustrecken. Derzeit aber sind wir aufgefordert, unsere Hände nicht zum Handschlag zu reichen und sie zu desinfizieren.
Hilf uns beim Händewaschen daran zu denken, dass eine Hand die andere wäscht.
Wie unsere Hände, so brauchen auch wir uns gegenseitig. Allein können wir nicht leben.
Hilf uns, zu erkennen, dass wir mit unseren Händen Gutes tun und verletzen können. Möge uns dieser Gedanke daran erinnern, unsere Hände liebevoll, fürsorglich, sanft und stärkend zu benutzen. Wenn wir auch derzeit einander nicht die Hand reichen sollten, so können wir doch unserem Nächsten helfen, seine Last zu tragen.

Nicht nur das Virus hat in dieser Zeit die Chance, zu wachsen. Auch Angst, Misstrauen, Vorurteile, Paranoia und Einsamkeit können unter dem Deckmantel dieser Pandemie gedeihen. In den Momenten, in denen wir uns ohnmächtig fühlen, zähme unsere Angst.
In den Momenten, in denen wir meinen, den Boden unter den Füßen zu verlieren, gib uns Halt.
In den Momenten, in denen es uns schwerfällt, zu vertrauen und wir uns unsicher fühlen, gib uns die Unterstützung, die wir brauchen.
Und wenn wir uns allein fühlen, erinnere uns daran, wer uns wirklich liebt und an Dein Versprechen, immer bei uns zu sein als unser Freund und Begleiter. Amen.

(Fr. Michael Collins, St. Patrick’s College, Maynooth,
Übersetzung: Pfr. Christoph Gundermann, Lennestadt)

Gedanken zum Jahreswechsel

„Endlich ist es vorbei!“, so werden wohl manche mit Blick auf das vergangene Jahr 2020 aufstöhnen. Es war so von Unberechenbarkeiten, von Krise, Krankheit, Tod und existentiellem Bedrohtsein gekennzeichnet, dass wir aufpassen müssen, dass sich das Schwere und Harte nicht zu sehr in den Mittelpunkt spielt und das Schöne und Frohmachende verdrängt.

Jedenfalls lohnt es sich auch in diesem Jahr, dass wir auf die Zeit zurückblicken. Wir werden auch Grund zum Danken finden. Wir werden staunen, was wir alles gemeistert haben. Wir werden spüren:
Es gibt Situationen, da hätten wir gerne mehr erreicht, da sind wir noch lange nicht am Ziel.
Als Christen dürfen wir glauben, dass einer mit uns geht, der uns immer wieder Mut macht und uns letztlich mit offenen Armen und einer Liebe empfängt, die wir uns nicht größer und schöner wünschen können.
Auf ihn vertrauen wir, wenn wir an der Schwelle zum neuen Jahr stehen.
Er segnet und behütet uns!
Er lässt sein Angesicht unter uns leuchten und ist uns gnädig:
Er wendet uns sein Angesicht zu und schenkt uns sein Heil.
Wenden auch wir uns ihm und seinem Blick zu, der uns Gnade, Erbarmen und Heil zusagt.

“Gebt Gott, was Gott gehört”

Sie haben es vielleicht in den Nachrichten der vergangenen Woche mitbekommen:
„Lost“ ist das Jugendwort 2020.
Wörtlich übersetzt bedeutet das englische „lost“ „verloren“. In der Jugendsprache ist damit jemand gemeint, der ahnungslos, unsicher oder unentschlossen ist.
Das Wort erhielt mit 48 Prozent rund die Hälfte aller abgegebenen Stimmen der Jugendlichen.
Das Wort, und das, was es bezeichnet scheint also das Lebensgefühl vieler Jugendlicher momentan zu treffen.

Sie fühlen sich „lost“, unsicher, unentschlossen, ahnungslos.
Oder sie erleben vielleicht auch viele Menschen, die sie mit diesem Wort umschreiben würden.

Und so weit ich sicher von der Jugendsprache entfernt bin, so nah bin ich doch bei der Feststellung, die sich hinter diesem Wort verbirgt. Da ist vieles „lost“ in unserer Gesellschaft und Welt.
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“Mariä Himmelfahrt”

Was Maria erfahren hat, ist der tragende Grund des Lebens, der sie allem Irdischen enthebt:
Gott nimmt sie mit Leib und Seele in den Himmel auf. Sie ist in Liebe angenommen und ganz nah bei Gott angekommen.
Die Mutter Gottes ist uns vorausgegangen und ebnet uns den Weg zu dem Ziel, das uns allen verheißen ist. Darum ist dieser Tag ein Fest unseres Glaubens und unserer Hoffnung, die auch am Ende nicht sterben wird, sondern ihre Erfüllung erfährt.

Schöne Gedanken und Erläuterungen hat Pfarrer Christoph Stender dazu in der Morgenandacht des Deutschlandfunks gefunden.

Zur Heiligkeit berufen

„Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48)

Ist solch ein Satz nicht eine totale Überforderung, die wir spontan erstmal als utopisch bezeichnen? Denn wenn wir so was hören, dass wir vollkommen sein sollen, so kommen uns doch als Erstes die Heiligen in den Sinn. Wir schauen auf sie und sehen das Große, das Außergewöhnliche, dass sie geleistet haben.
Was wir dann weniger bedenken, ist die Tatsache, dass auch Heilige nicht schon immer perfekte Menschen waren. Ihnen ist längst nicht alles gelungen.
Auch Heilige hatten ein Leben mit Fehlern, Ecken und Kanten.
Jeder Heiliger hat seine Vergangenheit als Sünder.
Im Umkehrschluss heißt das dann: Jeder Sünder kann auch eine Zukunft haben –als Heiliger.
Das ist doch die Chance für uns.
So gesehen ist also der Aufruf Christi „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ nichts anderes, als eine Motivationshilfe für uns: „Nutz‘ Deine Chancen. Mach‘ was aus dem, das in dir steckt!“
Dabei will Gott uns helfen, denn er zeigt seine Heiligkeit und Vollkommenheit, indem er die ungeahnten Möglichkeiten fördert, die er in uns hineingelegt hat.
Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet.
Wenn wir die Versuchung verspüren, uns in unserer Schwäche zu verstricken, dann dürfen wir die Augen auf den Gekreuzigten richten und sagen:
„Herr, ich bin ein armseliger Mensch, aber du kannst das Wunder vollbringen, mich ein wenig besser zu machen.“
Geben wir Gott die Chance dazu!

Der radikale Jesus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.
Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. (Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37)

Wir sind versucht, wenn wir auf diese Aussagen schauen, zu sagen: „Na da ist Jesus aber doch ein wenig zu radikal!“ Das stimmt, allerdings nur, wenn wir dadurch die Aussagen Jesu nicht nivellieren wollen, nicht an die Seite schieben wollen, sondern sie an uns heranlassen und nach der Bedeutung des Wortes „radikal“ fragen.
Es kommt vom lateinischen „Radix“, „Wurzel“.
Jede Pflanze, jeder Baum hat seine Wurzeln.
Und die sind überlebensnotwenig – nicht nur für die Standfestigkeit einer Pflanze, sondern auch wegen der Nährstoffe und der Wasseraufnahme.
Ein Baum ohne Wurzeln stirbt; wenn der Wurm drin ist, dann kann es gefährlich werden.
Auf die Wurzel kommt es an – das ist im wahrsten Sinn des Wortes die ganz radikale Überlebensfrage.
Wir selbst und der Blick auf die Menschen an unserer Seite zeigen uns:
Nicht die Äußerlichkeiten und das Verhalten in einer einzigen Situation sind das Entscheidende.
Das wirklich Entscheidende ist und bleibt doch:
Bin ich verwurzelt? Lebe ich aus der Tiefe? Welche Wurzeln halten mich?
Jesu Botschaft ist eine radikale – nicht, weil sie unangemessene Forderungen stellt, sondern weil sie nach den Wurzeln fragt.
Aus welchen Wurzeln lebe ich?