Zur Heiligkeit berufen

„Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48)

Ist solch ein Satz nicht eine totale Überforderung, die wir spontan erstmal als utopisch bezeichnen? Denn wenn wir so was hören, dass wir vollkommen sein sollen, so kommen uns doch als Erstes die Heiligen in den Sinn. Wir schauen auf sie und sehen das Große, das Außergewöhnliche, dass sie geleistet haben.
Was wir dann weniger bedenken, ist die Tatsache, dass auch Heilige nicht schon immer perfekte Menschen waren. Ihnen ist längst nicht alles gelungen.
Auch Heilige hatten ein Leben mit Fehlern, Ecken und Kanten.
Jeder Heiliger hat seine Vergangenheit als Sünder.
Im Umkehrschluss heißt das dann: Jeder Sünder kann auch eine Zukunft haben –als Heiliger.
Das ist doch die Chance für uns.
So gesehen ist also der Aufruf Christi „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ nichts anderes, als eine Motivationshilfe für uns: „Nutz‘ Deine Chancen. Mach‘ was aus dem, das in dir steckt!“
Dabei will Gott uns helfen, denn er zeigt seine Heiligkeit und Vollkommenheit, indem er die ungeahnten Möglichkeiten fördert, die er in uns hineingelegt hat.
Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet.
Wenn wir die Versuchung verspüren, uns in unserer Schwäche zu verstricken, dann dürfen wir die Augen auf den Gekreuzigten richten und sagen:
„Herr, ich bin ein armseliger Mensch, aber du kannst das Wunder vollbringen, mich ein wenig besser zu machen.“
Geben wir Gott die Chance dazu!

Der radikale Jesus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.
Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. (Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37)

Wir sind versucht, wenn wir auf diese Aussagen schauen, zu sagen: „Na da ist Jesus aber doch ein wenig zu radikal!“ Das stimmt, allerdings nur, wenn wir dadurch die Aussagen Jesu nicht nivellieren wollen, nicht an die Seite schieben wollen, sondern sie an uns heranlassen und nach der Bedeutung des Wortes „radikal“ fragen.
Es kommt vom lateinischen „Radix“, „Wurzel“.
Jede Pflanze, jeder Baum hat seine Wurzeln.
Und die sind überlebensnotwenig – nicht nur für die Standfestigkeit einer Pflanze, sondern auch wegen der Nährstoffe und der Wasseraufnahme.
Ein Baum ohne Wurzeln stirbt; wenn der Wurm drin ist, dann kann es gefährlich werden.
Auf die Wurzel kommt es an – das ist im wahrsten Sinn des Wortes die ganz radikale Überlebensfrage.
Wir selbst und der Blick auf die Menschen an unserer Seite zeigen uns:
Nicht die Äußerlichkeiten und das Verhalten in einer einzigen Situation sind das Entscheidende.
Das wirklich Entscheidende ist und bleibt doch:
Bin ich verwurzelt? Lebe ich aus der Tiefe? Welche Wurzeln halten mich?
Jesu Botschaft ist eine radikale – nicht, weil sie unangemessene Forderungen stellt, sondern weil sie nach den Wurzeln fragt.
Aus welchen Wurzeln lebe ich?

„Mit Maria im Gespräch mit Jesus“ – Wallfahrt nach Altötting

Wallfahrt nach Altötting zur „Schwarzen Muttergottes“
…mit Ausflügen u.a. nach Salzburg, Passau, Parzham und Marktl am Inn
Geistliche Reiseleitung: Pfarrer Christoph Gundermann
19.10. – 25.10.2020 | 7-tägige Busreise

„Mit Maria im Gespräch mit Jesus“
Unter diesem Thema, wollen wir uns auf dieser Wallfahrt der helfenden Güte der Muttergottes anvertrauen. Gemeinsames Gebet, die tägliche Feier der Eucharistie, das Rosenkranzgebet, biblische Meditation sowie die Beschäftigung mit unserem persönlichen Glauben werden daher wesentliche Elemente dieser Wallfahrt sein – eingebettet in ein Programm, das >hier< näher vorgestellt wird. mehr…

Darstellung des Herrn

Seht, Christus, der Herr, kommt in Macht und Herrlichkeit,
er wird die Augen seiner Diener erleuchten. Halleluja.
(Eröffnungsvers zur Kerzenweihe)

Unsere Augen sind oft gehalten, von den Schwierigkeiten unseres Lebens, von den Mühen unseres Alltages. Dort hinein darf und will Christus leuchten. Er will unsere Augen strahlen lassen, aufgrund der Freude die aus der Begegnung mit ihm kommt.
Am Fest der Darstellung des Herrn zieht Christus, als Kind auf den Armen seiner Mutter, in den Tempel ein.
Er tritt ein in die Stein gewordene Sehnsucht der Menschen nach Gott. Er tritt ein in die Herzen der Wartenden und erfüllt sie – brennend, verzehrend, verwandelnd wie Feuer.
Darum kommen wir immer wieder in seinem Haus zusammen: damit er in seinem Wort und im Sakrament leuchtend eintritt in unser Leben.

Als sich für die Eltern Jesu die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen, wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon. Dieser Mann war gerecht und fromm
und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Símeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet,
und Herrlichkeit für dein Volk Israel. (Lk 2,22.32)

Dem Licht entgegen

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
(Mt 4,12-17)

Die Verheißung des Lichtes an das Volk, das im Dunkel lebt, ist Antwort auf eine Erfahrung von Verlust, Entwurzelung, Einsamkeit und Depression.
Was für das Volk Israel galt, galt und gilt auch jedem einzelnen Menschen auf seinem Lebensweg.
Nicht der Depression zu verfallen und sich aufzugeben, sondern den Blick auf das Ziel zu richten, ist das, was in der Krise tragen und aus ihr herausführen kann.
Das bedeutet nicht, dass dieser Weg einfach ist und Leid und Not erspart, aber wenn es uns gelingt, den Blick zu weiten, finden wir die Kraft, das, was uns niederdrückt, zu tragen und zu ertragen,
im Glauben an das Licht, den Jubel und die Freude, die uns am Ende erwarten.
Vor kurzem sah ich im Internet irgendwo eine kurze Szene in der irgendjemand, der einer Baseballmannschaft sehr verbunden war, nach einem riesigen Erfolg der Mannschaft in die Kabine kam und es brach großer Jubel aus, es wurde sich gemeinsam gefreut und abgeklatscht, wie das bei Sportlern in solchen Situationen eben üblich ist.
Und unter der Filmszene stand nur ein kurzer Satz:
„That´s what it is, when we get to heaven“
„So sieht´s aus, wenn wir in den Himmel kommen“
Mich hat diese Szene, kombiniert mit diesem Gedanken sehr angesprochen.
Ja, das soll´s ein, darauf geht es zu, darum strampeln wir uns hier und jetzt so ab, darum nehmen wir so manches auf uns, darum geht unser ganzes Mühen und Streben, das uns im Alltag oft die Luft nimmt.
Die Freude über den Sieg der Mannschaft stellt sich erst ein, nachdem zuvor schwere Arbeit auf dem Platz geleistet wurde.
Es braucht also vielleicht einiges an Durchpflügen unseres eigenen inneren Ackerbodens, indem wir das Ringen der verschiedenen Kräfte in uns zulassen und die verschiedenen Licht- und Schattenseiten in uns versuchen, in Einklang zu bringen.
Dann werden wir lichtvolle Menschen werden.

Gottes Opfer

In jener Zeit sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.
Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes. (Joh 1, 29-34)

„Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“
Dahinter verbirgt sich eine ganz große Liebe zu uns Menschen und zu unserer Welt. Hinter dem schrecklichen Geschehen auf Golgatha, hinter der Selbsthingabe Jesu Christi am Kreuz verbirgt sich eine Liebe, die eben nicht zuschaut, wenn das, woran er sein Herz gehängt hat, den Bach runtergeht.
Gott schaut nicht einfach zu, wenn der einzelne Mensch, wenn die Menschheit auf falsche Wege gerät.
Hier wird uns ein Gott gezeigt, der nicht zusieht, sondern eingreift, und zwar selbst.
Die Botschaft von Golgatha, die Botschaft von Jesus Christus als dem Opferlamm am Kreuz das ist eine großartige Botschaft. Es ist die Botschaft, von einem Gott, der keine Opfer will, der nicht will, dass die Menschen ihm opfern, sondern der sich selbst den Menschen opfert. Diese Botschaft ist letzten Endes eine der großartigsten Aussagen über die Liebe Gottes zu uns Menschen, die es gibt.

Neujahr

An der Pforte des neuen Jahres begrüßt uns eine Frau, die uns durch dieses Jahr begleiten möchte: Maria, die Mutter Jesu.
Sie hat nicht nur ihr nächstes Jahr in Gottes Hand gelegt hat, sondern ihr ganzes Leben.
Mit allen Jahren ihres Lebens hat sie sich dem anvertraut, von dem sie zutiefst überzeugt war, dass er sie zur Fülle des Lebens führt.
Auch wenn das manchen Schmerz und manche Unbequemlichkeit mit einschloss.
Elisabet sagte über ihre Cousine Maria: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.“ (Lk 1,45)
Maria lädt uns an diesem ersten Tag des Neuen Jahres dazu ein, sie zum Vorbild zu nehmen und dieses anbrechende Jahr und vielleicht sogar alle Jahre, die uns geschenkt werden, in Gottes Hände zu legen, in dem Vertrauen, dass er uns reich macht.
Nicht reich an materiellen und vergänglichen Dingen, sondern an inneren Erfahrungen, an Freude und Einsicht in die Geheimnisse des Lebens und die Führung Gottes.
Es wird nicht immer der leichte und gefällige Weg sein, den er uns führt.
Aber es ist der Weg, der uns befähigen wird, mehr und mehr seine Liebe zu erfassen, in uns zu tragen und weiter zu schenken.

Gottes “Ansage”

In jenen Tagen sprach der Herr noch einmal zu Ahas; er sagte: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen. Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen? Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,10-14)

Was sich so demütig anhört:
„Ich will den Herrn nicht auf die Probe stellen“ ist ein Mangel an Glauben, sich selber auf Gott einzulassen und auf Gottes Verheißungen zu bauen.
Anders gesagt: „Nach Gottes Willen fragen –lieber nicht!
Besser, ich habe es in meinen Händen!“
Gott soll dem Ahas zu Diensten sein, in Gottes Hände will dieser sich nicht geben.
Deshalb macht Gott eine „Ansage“ durch den Propheten: „Darum wird der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel –Gott mit uns –geben“ (Jes. 7,14).
Von sich aus
– selbst im drohenden Untergang des Volkes angesichts der Übermacht der Feinde
 -selbst in der größten Not lässt Gott sein Volk nicht im Stich.
Er wird zu allen Zeiten ein Zeichen für seine Nähe, für seine Gegenwart unter den Menschen setzen.
Die Zusage ist klar: „Gott ist mitten unter uns.“
„Immanuel“, um diesen Namen geht es nicht nur an Weihnachten, sondern in unserer Geschichte und in meinem Leben.
Das ist die Zusage!
Hören wir auch die Ansage?
Wir sind in vielem orientierungslos genug!
Werden wir uns stören lassen in unserer Weltsicht?
Belästigen wir Gott nur, weil er unserem Willen gemäß handeln soll?
Gott gibt ein (fast zu) schlichtes Zeichen:
Die Jungfrau wird gebären… nur so wird Gott mit uns sein.
Es ist nicht leicht für diesen menschgewordenen Gott, und wahrscheinlich war es zu keiner Zeit wirklich leicht für ihn, aber der leise, behutsame Weg ist der einzige, um wirklich im Menschen etwas zu verändern, denn da wo der Mensch im Innersten berührt wird, da ändert er sich.