Auf dem Weg zur Heiligkeit

Das Fest aller Heiligen – ein Fest für alle Heiligen.
Und in ganz besonderer Weise ein Fest für alle die Heiligen, denen kein Kalenderblatt gewidmet ist und die nicht auf der Liste der Heiligsprechungsprozesse stehen.
Damit ist es ein Fest für die Heiligen unseres Alltags, die uns besonders nahestanden und die an einem Punkt unseres Lebens, an einem Punkt unserer Heillosigkeit etwas vom Heil Gottes aufstrahlen lassen.
Es geht am Allerheiligenfest auch um die Menschen, die mitten in unserer Welt etwas begriffen haben vom Evangelium Jesus Christi: als Friedensstifter im Familienalltag, als Barmherzige auf der Chefetage, als Menschen mit Herz in der Nachbarschaft, als Tröstende im Altenheim, als Gerechtigkeitssuchende in der Schule…
Das Allerheiligenfest können wir als Erntefest feiern, in dem wir wie in einem Album blättern und uns die Menschen vergegenwärtigen, die unser Leben eine Spur heiler, heiliger haben werden lassen.
Es ist ein großes Familienfest, ein Fest der größeren Familie Gottes, aller seiner Heiligen.
Wenn wir versuchen, uns für Gottes Gegenwart und Wirken in unserem Leben zu öffnen, befinden wir uns auf dem Weg zur Heiligkeit.

Fokussiert sein!!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib „fünfzig“! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib „achtzig“! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. (Lk 16,1-8

Was ist denn die Klugheit dieses Verwalters, die Jesus hier lobt? Denn das ist wichtig: Jesus lobt die Klugheit, nicht das skrupellose und betrügerische Verhalten.
Die Klugheit des Verwalters besteht ja daran, völlig „fokussiert“ und zielgerichtet vorzugehen und genau das tun, was zum Ziel führt. Diese Klugheit ist eine absolute Konsequenz im Handeln.
Wenn Jesus dann mahnt: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ (Lk 16,8b), dann fordert er uns auf, zielgerichtet; fokussiert und klug zu handeln, um das Ziel zu erreichen. Alle Kraft soll auf dieses Ziel gerichtet sein.
Das Ziel der Kinder dieser Welt ist :Erfolg, Wohlstand, langes Leben, Ruhm, Ansehen …
Was aber ist unser Ziel als Christen? Welches Ziel haben wir?
Was ist mein großes Ziel? Das Ziel das für immer bleibt? Am Ende dieses Lebens?
Im Tagesgebet heißt es: „Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Gib uns die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen.“
Das ist doch das große Ziel, dass wir als Christen immer im Auge haben sollten: das ewige Leben erlangen!!
Für dieses Ziel gilt es alles einzusetzen, auf diese Ziel gilt es sich im Leben zu fokussieren, dem soll alles untergeordnet sein und das muss der Maßstab bei der Beurteilung aller Optionen sein die das Leben uns bietet.
Verlieren wir dieses Ziel nicht aus den Augen und überprüfen wir immer wieder, ob wie es konsequent und klug anpeilen:
Das alte Kindergebet gilt auch noch heute und wir sollten es vielleicht mal wieder bedenken:
„In den Himmel will ich kommen,
fest hab ich´s mir vorgenommen.
Mag es kosten, was es will,
für den Himmel ist mir nichts zu viel.“

Preis der Nachfolge

Der Preis, den Jesus für seine Nachfolge nennt, scheint uns wahrhaftig sehr hoch:
„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern,
ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“
. (Lk 14,26)
Das ist der Preis, den Jesus nennt.
Aber wie bei wirtschaftlichen Angeboten auch, sollten wir, wenn uns der Preis so hoch vorkommt auch mal hinterfragen, wie es denn zu solch einer Preisgestaltung kommt.
Da gilt es zunächst mal zu bedenken, worum es denn geht:
Es geht um das Angebot der Gottesfreundschaft,
es geht um das letzte Ziel,
es geht um das ewige Heil des Menschen.
Und der Preis dafür wird von Jesus nicht willkürlich festgesetzt, sondern dieser Preis liegt in der Sache selbst. Es geht also nicht billiger; und dem Herrn ist wegen dieses hohen Preises kein Vorwurf zu machen; der Preis liegt eben in der Sache selbst.
Aber jeden von uns interessiert ja nicht ein Preis im Allgemeinen, sondern wir dürfen weiter fragen:
Was kostet die Jüngerschaft Jesu, was kostet die Gottesfreundschaft mich ganz konkret?
Was ist der Preis, den ich persönlich zu zahlen habe, wenn ich Gemeinschaft mit Jesus haben will?
Und dann wird sich zeigen, dass der konkrete und persönliche Preis für jeden verschieden sein wird, aber das eine bleibt:
Eine Freundschaft, die man sich nichts kosten lässt, ist auch keine echte Freundschaft.
Aber wie könnte der Preis für diese Freundschaft aussehen?
Keinem von uns droht doch aller Voraussicht nach wohl das Martyrium;
d. h. wir werden, um unseres Glaubens willen, nicht getötet werden, wie z. B. der Hl. Stephanus oder die Hl. Agatha und viele andere;
aber in den letzten Jahren mehren sich doch die Situationen, in denen wir belächelt werden, wenn wir wirklich als Christen leben wollen und das auch zeigen.
Sich belächeln lassen: das kann ein Teil des Preises sein!
Mal ganz konkret gefragt:
Wann haben Sie zuletzt in der Öffentlichkeit, in einem Restaurant das Tischgebet gesprochen und das Kreuzzeichen gemacht. (Und wann haben sie es zuhause zuletzt mit den Kindern oder Enkeln gemacht?)
Die Stimme des Gewissens nennt uns also den Preis, den wir in der Nachfolge Jesu zu zahlen haben.
Wir dürfen aber nicht nur auf den Preis schauen, den wir für die Jüngerschaft Jesu bezahlen.
Zuerst steht da etwas ganz Anderes. Vor all dem, was wir für die Gottesfreundschaft bezahlen, steht das, was sich Jesus die Freundschaft zu uns hat kosten lassen.
Jesus hat sie mit seinem Leben bezahlt.
So mahnt uns denn auch der Hl. Paulus, indem er sagt: „Bedenkt doch, um welchen Preis ihr erkauft worden seid!“
Bevor wir auch nur irgendetwas für diese Freundschaft bezahlt haben, hat Jesus mit seinem Leben bezahlt.
Er hat sein Leben investiert, um uns zu Freunden, zu Söhnen und Töchtern Gottes zu machen.
Jesus hat also seinen teuren Preis bezahlt, um uns zu Freunden und Kindern Gottes zu machen.
Das ist es, was uns anspornen kann, aus Dankbarkeit, auch unseren Preis zu bezahlen.

Jesus macht uns “Feuer”

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! (Lk 12,49)

„Feuer“ meint hier die besondere Nähe Gottes und eine besondere Wirkung dieser Nähe.
Bibellesern kommt hier sofort der brennende Dornbusch, oder die Feuersäule beim Auszug aus Ägypten in den Sinn. Vielleicht auch Blitz und Feuer am Sinai bei der Offenbarung der Gebote Gottes.
An diesen Stellen ist Feuer immer etwas Gewaltiges, etwas Bewegendes, etwas, vor dem man nicht gleichgültig bleibt, sondern reagieren und sich entscheiden muss.
Und – das gilt es besonders zu beachten:
es ist immer zuerst Gott selbst, der sich für die Menschen entscheidet.
Im Blick auf die radikale Zuwendung Gottes zu uns Menschen können wir nicht gleichgültig bleiben.
Wir müssen reagieren, eine Entscheidung treffen! Es geht um unsere Entscheidung für ihn, für Christus;
und es geht um die Entscheidung für das endgültige Heil, das er uns anbietet;
es geht um eine Entscheidung ohne Bedingungen,
um eine Entscheidung, an der wir nicht vorbei kommen, so gern wir uns auch manchmal davor drücken möchten.

Keine falsche Beruhigung!

Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt (Lk 12,42b-46a)

Da lebt also jemand in einer falschen Beruhigung.:
Er beruhigt sich mit dem Leichtsinn, indem er denkt:
„Mein Herr wird ja noch lange nicht zurückkommen“; und er lebt auch entsprechend.
Von diesem Leichtsinn heißt es: „Der Herr wird an einem Tag kommen, an dem es der Knecht nicht erwartet“.
Vor solchem Leichtsinn oder auch gezielter Betäubung will Jesus uns warnen.
Und trotzdem ist diese Warnung keine Drohbotschaft, denn es ist eine Warnung, die von seiner Liebe getragen ist;
eine Warnung, die zum Ziel hat, uns teilnehmen zu lassen an seiner Liebe und an seinem Leben.
Es ist um unseres Heiles willen, um unserer Seligkeit willen, dass wir zur Wachsamkeit aufgerufen werden: „Selig die Knechte, so heißt es, selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt…
Der Herr selber wird sich gürten und sie am Tisch Platz nehmen lassen..“.
Wenn wir immer wieder in der Eucharistiefeier bereit sind, Gott in unser Leben hereinzulassen, und wenn solche Stunden sich Woche für Woche wiederholen,
dann werden wir für Gott offen sein – auch in den Stunden unseres Alltags –
und dann dürfen wir hoffen, dass wir offen sind für Gott auch in der letzten Stunde unseres Lebens, – dass wir auch dann wachsam sind und den Ruf des Herrn hören können.

Mit Christus auferweckt!

Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt! Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. (Kol 3,1-4)

Sollen wir also aus der „Welt“ fliehen, die Welt missachten? Ist alles, was diese Welt bietet nichts wert?
Ganz und gar nicht! Diese Welt ist schön, das erfahren wir im Sommer, in der Urlaubszeit, in der es darum geht, die Freude und Gelassenheit neu zu entdecken doch in besonderer Weise.
Diese Welt ist schön! Das gilt es zu sehen und zu genießen. Weltflucht ist fehl am Platz. Genauso aber auch ein „Sich-Verlieren“ an diese Welt! Diese Welt ist nicht das Einzige! Wir dürfen uns nicht an sie klammern.

Daran erinnert der hl. Paulus wenn er sagt: „Richtet euren Sinn auf das, was oben ist, nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2)
Wir sind getauft und damit in die Wirklichkeit Gottes hineingenommen. Wir schauen weiter als nur bis an die Grenze unserer Vernunft und dieser Welt. „Seid ihr nun mit Christus auferweckt, so strebt nach dem, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!“

Taufe ist auferweckt sein mit Christus, aber nicht schon vollendet. Daher: „weiter streben nach dem was oben ist“. Wir sind nicht im Himmel, sondern noch auf Erden, aber in der Taufe ist etwas Neues geschehen, das wir wirksam werden lassen müssen im Alltag.

Wir dürfen unser Denken, Reden und Tun schon unter der Perspektive des „Himmels“ sehen, sozusagen mit dem Blick auf Christus, der zur Rechten des Vaters sitzt.
Daher gilt es sich immer wieder und immer weiter intensiv um die Nachfolge Christi zu mühen, denn Christ-Sein ist nie fertig, es braucht Mühe. Scheuen wir sie nicht!

Mit Gott reden

Jesus betete einmal an einem Ort; als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger beten gelehrt hat! (Lk 11,1)

Gebet ist Gespräch mit Gott. Oder um es im Jargon unserer Zeit zu sagen: Gebet ist Kommunikation mit Gott.
Viele in unseren Tagen meinen, Gott sei fern, unerreichbar, entrückt.
Sie argwöhnen, Gott sehe ich nicht, und deshalb existiert er auch nicht.
Wie unsinnig das ist, sollte jeder wissen, der schon mal eine WhatsApp verschickt hat. Mit wie vielen Menschen stehen wir in Verbindung, die wir (momentan) nicht von Angesicht zu Angesicht sehen. Und käme jemand ernsthaft auf die Idee, diesen Freunden die Existenz abzusprechen?
Wir müssen uns immer wieder neu bewusstmachen:
Gott ist da, auch wenn wir ihn als Person nicht direkt sehen.
Wir können mit ihm immer und überall in Kontakt treten.
Überall ist es möglich: Das geht genauso leicht, wie das Handy zu nehmen und schnell eine WhatsApp abzuschicken.
Gott hört uns, denn er ist uns ganz nah. Mit ihm kann ich über alles reden. Es gibt keine Tabus, keine Zensur. Er kennt unsere Gedanken, was sich in unserem Herzen, in unserer Seele abspielt.
Sprechen wir also mit ihm über alles, was uns bewegt. Und nehmen wir ihn dort wahr, wo er uns immer sehr greifbar begegnet:
In der hl. Schrift, in der Eucharistie und in den Sakramenten. Gott reicht uns immer seine Hand, wir müssen sie nur ergreifen!

“Sine dominico non possumus”

Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt!
Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert, auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit!
Denn so spricht der Herr:
Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, So tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. Ihr werdet das sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün. So offenbart sich die Hand des Herrn an seinen Knechten. (Jes 66,10-14c)

Die Israeliten, haben damals Trost und Freude erfahren, wenn sie nach Jerusalem gekommen sind und dort Gott besonders nahe waren.
Für uns heute ist »Jerusalem« überall dort, wo wir zusammenkommen, um miteinander Eucharistie zu feiern – da ist uns Gott besonders nahe, da können wir Trost und Freude erfahren.
Gerade die Eucharistie erfahren wir immer wieder als Ruhepol und Kraftquelle für unseren Alltag und unsere Aufgaben.
Hier verbindet sich Gott selber auf einzigartige Weise mit uns Menschen.
Vor allem im Empfang der Kommunion wird das deutlich.
Hier stärkt uns Christus mit der Speise, die er selber ist, stärkt er uns mit seinem Leib und seinem Blut, damit wir sein göttliches Leben in uns haben, seine Vitalität, seine Kraft.
Wir spüren, wir brauchen die Eucharistie.
Wir brauchen die Heilige Messe.
Trost, Frieden und Freude will uns Gott schenken – es soll uns so gut gehen, wie es einem Baby bei seiner Mutter geht. Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so will uns Gott trösten. Darüber werden wir uns freuen. – Das ist eine großartige Botschaft – die sollten wir doch eigentlich weitersagen!