“An Dir habe ich Wohlgefallen gefunden”

Es geschah aber,
dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
(Lk 3,21-22)

Gott sagt zu Jesus: „Ich habe an dir Wohlgefallen.“
Das sagt er zu jedem, der auf seinen Namen getauft ist:
„Du bist ein Mensch, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Mit allen Macken und Kanten, so wie Du bist.
Wenn Gott Dich anschaut, wenn er in Dein Gesicht schaut, dann ist es so, als wenn er in einen Spiegel schaut, weil Du sein Ebenbild bist. Darum bist Du ihm ungeheuer wichtig. „Ich habe an dir Wohlgefallen.“
Das tut so gut, wenn man weiß: Gott hat an mir Wohlgefallen.
Es kann nämlich sein, dass wir in Situationen kommen, wo kein Mensch mehr an uns Wohlgefallen hat, wo ich mich selber vielleicht nicht mehr ausstehen kann. Aber dann gilt immer noch. Gott hat an mir Wohlgefallen.

Mit guten Gedanken

Mit guten Gedanken
will ich das alte Jahr verabschieden
und mit Segenswünschen
das neue Jahr begrüßen.

Mit offenen Händen
will ich das Vergangene abgeben
und mit betenden Augen
das Zukünftige erwarten.

Mit wertvollen Erinnerungen
will ich das Gewordene bewahren
und mit demütigen Erwartungen
das Kommende empfangen.

Mit dankbaren Worten
will ich das Gewesene würdigen
und mit hörendem Herzen
das Werdende schätzen.

Mit versöhnter Haltung
will ich das Schmerzliche loslassen
und mit wachsamer Spannung
das Wachsende schützen. Mit allen meinen Sinnen
will ich Gott loben und danken,
und mit tiefer Ehrfurcht
vor ihm, mit ihm und in ihm
bleiben und leben.
(Autor unbekannt)

So ungefähr könnte ich meine Gefühle zum Jahreswechsel umschreiben und zusammenfassen.
Jeder einzelne Abschnitt des Textes ist zweigeteilt, immer im ersten Teil der Blick auf das Gewesene und dann im zweiten Teil der Blick auf das Kommende.

Genauso sieht mein persönliches Jahr aus, mit allem was darin war.
Mein Blick ist ein dankbarer auf das Vergangene und es ist ein offenes Abgeben dieser Zeit, ein freudiges Bewahren der wertvollen Erinnerungen und gewachsenen Beziehungen, ein dankbares Würdigen und ein versöhntes Loslassen des Gewesenen.
Und gleichzeitig ist da ein Begrüßen des Neuen, ein betendes sich Vergewissern, ein demütiges Schauen auf die kommenden Herausforderungen, ein hörendes Wertschätzen der Situationen und Mitmenschen, die ich neu kennenlernen darf und ein wachsames Schützen des Neuen, das im Entstehen ist.
Und doch ist da jemand, der das, was manchmal für mich nur schwer in Eins zu bekommen ist, zu einer Einheit zusammenfügt, und der mich und unsere Welt in Händen hält.
Das macht dann der letzte Abschnitt des obigen Textes deutlich.
Dieser ist plötzlich nicht mehr zweigeteilt, sondern fügt alles wieder zu einem Ganzen zusammen, das vorher gegen- oder nebeneinander stand.
Gott ist der große Regisseur unserer Welt und unseres Lebens auch meines kleinen alltäglichen und normalen Lebens.
In aller Kleinheit und in allem Hin und Her des Lebens, lässt er mich immer wieder spüren, dass ich, wo immer ich auch bin, nur vor ihm, mit ihm und in ihm bin. Er ist die Konstante, der Halt, der Anker an dem ich mich festmachen kann.
In dem kleinen Kind in der Krippe hat er deutlich gemacht, dass er unsere Bedürftigkeit unsere Hilflosigkeit und alle unsere Menschlichkeit angenommen hat und sie, wie seinen Sohn zur Vollendung führen will.
Wir brauchen lediglich seiner Zusage, die er uns in seinem Sohn gemacht hat zu trauen, mit allen unseren Sinnen Gott loben und danken und voller Ehrfurcht in ihm bleiben und leben.

In diesem Sinne wünsche ich allen Besucherinnen und Besucher dieser Webseiten ein gesegnetes Jahr 2022

Allerheiligen

Selig, die ein reines Herz haben;
denn sie werden Gott sehen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihnen gehört das Himmelreich. (Mt5,8-10

Das Fest Allerheiligen regt zu einem neuen Nachdenken über Gemeinschaft an.
In unserem Glaubensbekenntnis bekennen wir uns zur „Gemeinschaft der Heiligen“.
Im Laufe des Kirchenjahres sind es jeweils einzelne Heilige, derer wir gedenken.

Nicht so am Fest Aller-heiligen.
Wir glauben nämlich auch, dass das Ziel unseres Lebens nicht nur persönliches Glück ist, nicht nur individuelle Herrlichkeit, nicht nur private Begegnung mit Gott.

Aus mehreren Gründen bekennen wir die Gemeinschaft der Heiligen.
Wir glauben, dass die Heiligen in Beziehung zueinander stehen und in Gemeinschaft leben,
weil sie auch hier auf Erden nicht allein, sondern in Gemeinschaft heilig geworden sind.

Zugleich werden wir angespornt, selber Verantwortung zu übernehmen,
damit auch durch uns möglichst viele Menschen in ein christliches und heiliges Leben eingeführt werden.

Eucharistie – Nur Symbol oder doch mehr?

Für viele Gläubige ist die Eucharistiefeier heute nur noch eine Symbolhandlung. Die Eucharistie wird vielfach nur als ein Symbol für Christus angesehen und die hl. Messe lediglich als eine Zusammenkunft von Gleichgesinnten, die sich versammeln, um des Lebens Christi zu gedenken.

Das ist aber nur ein sehr oberflächliches Erkennen, dessen, was sich in der Eucharistiefeier vollzieht.
Das, was sich dort auf dem Altar vollzieht, Christus, der sich unter der Gestalt des Brotes und des Weines gegenwärtig setzt und den die Gläubigen sowohl in ihren Leib, als auch in ihre Seele aufnehmen dürfen, ist viel geheimnisvoller, schöner und tiefer.
Blickt man tiefer, auf das, was die Eucharistiefeier im eigentlichen Sinn ist: heiliges Mahl, Opfer und Realpräsenz – dann kann man die tiefe Wahrheit erkennen, die aus den Worten Jesu beim Letzten Abendmahl spricht und entspringt: „Nehmt und esst, das ist mein Leib … Nehmet und trinket alle daraus, das ist mein Blut, das Blut des neuen und ewigen Bundes.”
Wir sind nicht nur eingeladen, Jesu zu gedenken oder uns an seinem Vorbild auszurichten; wir sind eingeladen zur Gnade der Kommunion, zur Gemeinschaft mit Gott und untereinander – und letztendlich zum Reich Gottes – indem wir ihn selbst essen und trinken, der sich uns als Opfer darbringt.

17. Juli: Die Märtyrinnen von Compiegne (+ 1794)

Die 16 Karmelitinnen wurden im Verlauf der französischen Revolution am 17. Juli 1794 in Paris enthauptet.
Begründet war dieses Todesurteil mit ihrer Treue zur Kirche und zu ihrem Ordensberuf.
Zuvor hatten sie sich Gott als Opfer angeboten, um durch ihre Hingabe Sühne zu leisten und den Frieden zu erflehen. Im Gefängnis trösteten und ermutigten sie ihre Mitgefangenen, so dass sie leuchtende Zeugen dafür sind, dass der Glaube stärker ist als ein grausamer Tod. Sie wurden am 27. Mai 1906 selig gesprochen. Gertrud von Le Fort („Die letzte am Schafott“) und Georges Bernanos („Die begnadete Angst“) haben ihr Martyrium verherrlicht.

Der Schwerpunkt des Lebens?

In jener Zeit als Jesus nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn:
Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen.
Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.
Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es.
Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast.
Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund. (Mt 8,5-13)

Dieses Evangelium lobt das Vertrauen des Hauptmanns auf Jesus.
Vertrauen bedeutet, Hoffnung zu haben, sein Herz Gott zuzuwenden.
Es bedeutet, sein Leben in Gott zu verwurzeln, es auf ihn zu gründen und auf ihn hin auszurichten.
Wenn man jedoch, im Gegensatz dazu, nur dem Menschen vertraut nur rein innerweltlich lebt, dann verschließt man sich in sich selbst, dann dreht sich alles nur noch um Reichtum, Ruhm, Macht, Ehre oder Vergnügen.
Daher stellt sich uns immer wieder die Frage:
Was ist der Schwerpunkt meines Lebens? Was ist mein innerstes Anliegen?
Die Bibel stellt dies konsequent als Entweder/Oder dar.
Jesus sagt seinen Jüngern: „Entweder ihr seid für mich oder ihr seid gegen mich.“
Das Evangelium erinnert uns daran, dass wir alle diese Frage mit großer Ehrlichkeit und Klarheit beantworten müssen.

Der “heruntergekommene” Himmel

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

(Joh 17,1-5)

Jesus war und ist die Begegnung von Himmel und Erde in Person.
Gott und Menschheit kommen in ihm zusammen, und sein gesamter Dienst war der äußere Ausdruck dieser inneren Wirklichkeit. Indem Jesus ein zerstreutes Israel zur Einheit aufrief, die Armen zur Tischgemeinschaft einlud, die Kranken an Seele und Leib heilte und den Weg der Vergebung und Liebe verkörperte, brachte er Gottes Willen und Wirken auf die Erde. In seinem Leiden und in seinem Tod, brachte Jesus den Himmel bis auf die Erde herunter.
Er trug das göttliche Licht in die dunkelsten Ecken des menschlichen Lebens – Hass, Grausamkeit, Gewalt, Korruption, Dummheit, Leiden und Tod – und verwandelte sie dadurch. Der ultimative Beweis, dass der Himmel die Erde verwandeln kann, ist natürlich die Auferstehung.
Seitdem wissen wir, dass Grausamkeit, Hass, Gewalt, Angst, Leiden und Tod nicht die mächtigsten Kräfte der Welt sind. Seitdem wissen wir, dass die göttliche Liebe mächtiger ist. Gottes Reich hat die Macht der Königreiche dieser Welt gebrochen.

 

 

Die Stimme Jesu hören

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, das sage ich euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. Ihm öffnet der Türhüter, und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. (Joh 10,1-3)

Wie wunderbar aber auch für manche befremdlich, dass das Christentum keine Philosophie oder Ideologie ist. Es ist die Beziehung zu einer Person, die eine wirkliche und reale Stimme hat.
Die ersten Jünger hatten das Privileg, die Stimme des historischen Jesus zu hören. Sie haben den besonderen Ton der Stimme und ihre ganz eigene Prägung wahrgenommen.
Aber auch wir hören Jesu Stimme auf unsere eigene Weise, besonders, wenn wir die Texte der Bibel hören, die in unseren Gottesdiensten verkündet werden.
Wohlgemerkt, wir lesen die Bibel nicht nur; wir hören die Bibel!
Wir können die Stimme Jesu deutlich heraushören.
Auch aus den Worten von Menschen, die uns aus dem Geist Jesu heraus trösten oder herausfordern, die uns immer wieder zu höheren Idealen aufrufen und uns ermutigen, wenn wir fallen, können wir die Stimme Jesu hören.
Versuchen wir immer wieder, diese Stimme Jesu aus den vielen Stimmen herauszuhören, die unser Ohr erreichen! Lassen wir uns von dieser Stimme zu einem erneuerten und verwandelten Leben mit Gott führen!