Die Liebe Gottes in unserem Leben

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! (Joh 20,12-22)

„Wehmütig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte.“
Liebe Schwestern und Brüder,
Dieses Zitat, dass in den unterschiedlichsten Varianten mehreren Autoren neben Søren Kierkegaard zugeschrieben wird, kann uns wohl ganz gut in unsere Überlegungen am Pfingstfest hineinführen.
„Wehmütig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte.“
Okay, das mag morgens am Spiegel schon manchmal beginnen.
Aber da ist das Problem ja noch relativ einfach lösbar.
„Wehmütig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte.“ Das wird bei etwas tiefgründigerer Betrachtung existenzieller und bedeutsamer.
Wir alle haben eine Vorstellung davon, wie unser Leben verlaufen soll.
Was aber, wenn die Realität davon abweicht?
Die knappe Antwort von Pfingsten lautet: „Gott passt sich an!“
Sich an die Bedürfnisse des anderen anzupassen, ist ein tiefes Zeichen von Liebe.
 
Und genau das tut Gott für uns.
Genau das feiern wir am Pfingstfest.
An Pfingsten feiern wir das Geheimnis, dass und wie die Liebe Gottes in unser Leben kommt.
Pfingsten ist der Abschluss der Osterzeit.
Wir haben bereits Jesu Sterben, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt gefeiert.
Aber all diese kraftvollen Erlösungstaten sind nutzlos, wenn sie keinen Einfluss auf unser Leben haben.
Wenn wir die Wirkungen des Todes und der Auferstehung Jesu nicht in uns tragen können, ist die ganze Kraft und Gnade des Ostergeheimnisses verschwendet.
Am Pfingstfest, feiern wir die Tatsache, dass Gott uns seinen eigenen hl. Geist gegeben hat, um die Kraft der Auferstehung Jesu in unserem Leben wirksam werden zu lassen, ja geradezu zu entfesseln.
Jesus haucht im Evangelium die Jünger an und sagt: „Empfangt den Heiligen Geist.“
Es ist Gottes eigener Geist, der dafür sorgt, dass sich die Wirkung der Auferstehung an unsere Lebensumstände anpasst.
Es ist wohl kein Zufall, dass sich viele der großen Mystiker der christlichen Tradition den Geist Gottes als einen Kuss vorgestellt haben.
Gottes Geist ist der Ort, an dem die Liebe Gottes unser Leben berührt.
Der Geist Gottes ist in dieser Hinsicht flexibel.
Er ist fließend und kann sich an unsere persönlichen Bedingungen anpassen.
Der Geist Gottes formt sich neu, um sich den Konturen unseres Lebens anzupassen.
Die gute Nachricht von Pfingsten ist, dass es keinen Ort und keine Situation gibt, keinen Winkel unseres Lebens, in den und in die der Geist Gottes nicht kommen kann.
Ist irgendwo im Leben Umkehr nötig?
Der Geist Gottes kommt und fordert zur Umkehr auf und stärkt dazu.
Ist irgendwo die Trauer groß geworden?
Der Geist Gottes kommt in unsere Trauer und pflanzt einen Samen der Hoffnung.
Ist Lebensfreude abhanden gekommen?
Ist alles gewöhnlich und routinemäßig geworden?
Der Geist Gottes kommt in unser Herz und öffnet unsere Augen, um das Wunder der Schöpfung zu sehen.
Gibt es Erfahrungen von Ablehnung und Zurückweisung? Der Geist Gottes hält unser Herz und schenkt uns Zuversicht, dass die Zukunft für uns Anerkennung bereithält.
Gottes Geist kommt in all unsere Ängste hinein und öffnet unser Herz, um jeden Tag zu leben und uns neu Gott anzuvertrauen.
Es gibt keinen Ort, an den der Geist Gottes nicht kommen kann.
Es gibt keine Lebenssituationen, in die der Geist Gottes nicht eindringen kann.
Die gute Nachricht von Pfingsten ist, dass Gott die Kraft des Todes und der Auferstehung Jesu annimmt und sie an die Bedingungen unseres Lebens anpasst.
Das ist Gottes Versprechen.
Das ist Gottes Absicht.
Das ist Gottes Geschenk.
Um sicherzustellen, dass der Atem des Heiligen Geistes zu jeder Zeit und an jedem Ort immer in unser Leben gelangt.
Und wenn wir auf dieses Geschenk Gottes an uns schauen, so müssen wir auch bedenken, was Jesus bei der Übergabe dieses Geschenkes vorausgeschickt hat:
Er sagte:
„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“
Das heißt:
Behaltet das Geschenk Gottes, behaltet seinen heiligen Geist, behaltet, die Liebe, die er in euer Leben hineingegeben hat, behaltet die Barmherzigkeit, die er euch hat zuteilwerden lassen, nicht für euch.
Der Glaube ist mehr als ein Trost und ein Heilsversprechen oder ein persönliches Geschenk.
Der Glaube ruft uns dazu auf, uns den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen.
Der Ruf: „Sende aus deinen Geist und das Antlitz der Erde wird neu“ ist uns geläufig, gerade an Pfingsten.
Christus lädt uns ein, an dieser Erneuerung mitzuwirken.
 
Mutter Teresa hat das sehr eindrücklich in einem Gebet formuliert:
“O Jesus! Hilf mir, Deinen Wohlgeruch zu verbreiten, wohin ich auch immer gehe.
Lass mein Herz überfließen von Deinem Geist und Deinem Leben. Dringe ein in mein innerstes Sein, und nimm so davon Besitz, dass mein Leben der Widerschein Deines Lebens sei.
Leuchte durch mich hindurch, und nimm auf solche Weise von mir Besitz, dass jede Seele, mit der ich zusammenkomme, Deine Gegenwart in mir spüren kann. Nicht mich sollen sie sehen, sondern Dich in mir.
Bleibe in mir, so dass ich durch dein Licht strahle und mein Licht die Anderen erleuchten kann.
All mein Licht wird von Dir kommen, o Jesus.
Nicht einmal der kleinste Strahl wird von mir sein.
Du wirst durch mich die anderen erleuchten.
Lege in meine Lippen das Lob, das Dir am meisten gefällt, und erleuchte andere, die um mich herum sind, so, dass ich Dich nicht mit Worten preise, sondern mit dem Beispiel meiner Taten, mit dem sichtbaren Glanz der Liebe, die von Dir in mein Herz kommt.“