Entgegen jeder Erwartung

Die beiden Jünger, die von Emmaus zurückgekehrt waren, erzählten den Elf und den anderen, die mit ihnen versammelt waren, was sie unterwegs erlebt und wie sie Jesus erkannt hatten,
als er das Brot brach.
Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!
Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.
Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an
und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht.
Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.
Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht.
Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür. (Lukas 24,35–48)

Der auferstandene Jesus erscheint seinen elf Jüngern. Er erscheint nicht als Geist, Gespenst oder Halluzination. Er kann berührt und gesehen werden, er hat Fleisch und Knochen und kann gebratenen Fisch essen. Entgegen jeder Erwartung der Jünger war ein Toter durch die Kraft Gottes körperlich und ganz real vom Tod zurückgekehrt.
Es war wirklich Jesus, der Gekreuzigte, der von den Toten zurückgekehrt war.
Aber er kam nicht einfach wiederbelebt und weiterhin gebunden an Raum und Zeit. Es war nicht wie bei Lazarus, bei der Tochter des Jairus oder dem Sohn der Witwe von Naim, alles Menschen, die nur zum Leben zurückgekehrt waren, um wieder zu sterben.
Stattdessen wird der Körper Jesu, nicht mehr gebunden an Raum und Zeit, verwandelt und verklärt. Ein „geistiger“ Leib.
Jesus hat über den Tod und alles, was mit dem Tod zu tun hat, gesiegt. Sein auferstandener Leib ist ein Vorgeschmack und ein Versprechen dessen, was Gott mit uns vorhat.

Nach langer Nacht – ein neuer Morgen

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal, am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.
Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.
Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden.
Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr!
Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot liegen. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!
Da stieg Simon Petrus ans Ufer und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21,1-14)

Dieser Fischfang ist ein Symbol für die Kirche (das Schiff Petri) über Raum und Zeit hinweg bei ihrer apostolischen Aufgabe, Seelen zu gewinnen.
Das Leben und Werk der Kirche, so scheint uns Johannes sagen zu wollen, wird ein langwieriges Vorhaben in der Dämmerung sein, eine harte Arbeit, die oft wenig oder gar keine Früchte zu tragen scheint.
Aber nach der langen Nacht wird der Beginn eines neuen Lebens und einer neuen Ordnung aufbrechen, die neue Wirklichkeit, die mit Jesus begonnen hat. Der Fischfang, den er ermöglicht, ist die Gesamtheit der Menschen, die Christus für sich sammeln wird. Es ist das neue Israel, die endzeitliche Kirche. Wir wissen dies durch die Symbolik dieses Evangeliums. Wenn die Fische an Land gezogen werden, macht sich Johannes die Mühe, uns ihre genaue Anzahl 153 mitzuteilen – eine Zahl, die in der Antike häufig verwendet wird, um die Gesamtzahl der Fischarten im Meer zu bezeichnen.

Ostern ist unsere Erlösung!

Friedhöfe sind Orte des Nachdenkens, des Dankes, des Gedenkens.
Sie sind Orte der Ruhe und Endgültigkeit.
Das Letzte, was man an einem Grab erwarten würde, ist Neuheit und Überraschung.
Aber dann ist da das Grab Jesu.
In der Bibel wird uns berichtet, dass drei Frauen, Freunde und Jünger Jesu, am frühen Sonntagmorgen nach seiner Kreuzigung zum Grab ihres Meisters kamen, um seinen Leichnam zu salben.
Sie gingen sicher davon aus, dass sie sich, während sie sich dieser Aufgabe widmen, wehmütig an die Dinge erinnern würden, die ihr Freund gesagt und getan hatte.
Vielleicht würden sie ihren Frust über diejenigen zum Ausdruck bringen, die ihn an diesen Punkt gebracht hatten, ihn in seiner Stunde der Not verraten und verleugnet hatten und davongelaufen waren. Sicherlich erwarteten sie, in ihrem Kummer zu weinen.
Aber als sie ankamen, stellten sie zu ihrer Überraschung fest, dass der schwere Stein vom Eingang des Grabes weggerollt worden war. Waren Grabräuber am Werk gewesen?
Ihr Erstaunen verstärkte sich noch, als sie beim Blick in das Grab nicht den Leichnam Jesu sahen, sondern einen jungen Mann in Weiß, der verkündete: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag!“ (Mt 28,5-6)
Die Botschaft des geheimnisvollen Boten war, nicht, dass jemand in dieses Grab eingebrochen war, sondern dass jemand ausgebrochen war.
In der Version des Markusevangeliums, der frühesten, die wir haben – wird die Reaktion der Frauen wie folgt beschrieben: „Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt.” (Mk 16,8)
Sind für uns die Gräber unserer Verstorbenen eher Orte dankbarer Erinnerung und stillen Gedenkens, so ist das Grab Jesu so verstörend, dass Menschen vor Angst davonlaufen.
Gerade heute sollten wir uns wieder dieser Verstörung, dieser Störung unseres Denkens, dieser Ungeheuerlichkeit von Ostern stellen.
Ostern ist unbegreiflich und die Botschaft von Ostern kann uns erschrecken, kann uns neu aufschrecken.
Stellen wir uns wieder der Ungeheuerlichkeit der österlichen Botschaft von der Auferstehung Jesu und reden wir sie nicht klein und versuchen wir sie nicht zu verharmlosen. Ostern ist kein Symbol, ist keine Metapher, ist kein Trugbild unserer Phantasie.
Ostern ist kein Mythos.
Ostern ist unsere Erlösung!
Das darf uns erschrecken, das darf uns verstören, das darf uns unfassbar erscheinen…
Das ist aber vor allem eines: Frohe Botschaft – Evangelium.
Und wir dürfen es staunend annehmen, so wie es die Jünger Jesu taten, als die dem Auferstandenen begegneten.
Als seine Apostel ihn nach seinem Tod wieder lebend sahen, wussten sie mit Gewissheit, dass er der ist, als der er sich selbst bezeichnet hatte, als Sohn Gottes. Sie fanden seine Worte auf die überraschendste und überzeugendste Art und Weise bestätigt.
Wunderbar ist es zusammengefasst, im Bekenntnis des Thomas, des ehemaligen Zweiflers, der, als er den auferstandenen Herrn sah, auf die Knie fiel und einfach sagte: „Mein Herr und mein Gott.“

Jesus lebt, mit ihm auch ich!!

Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Jesus lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ich bin gewiss:
Nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
“Herr, Herr, meine Zuversicht!”
(GL 336)

Wir werden dieses schöne Osterlied, das sich im Gotteslob als eines der neueren Lieder seit der Neuauflage findet, in diesem Jahr (wieder) nicht gemeinsam in den Kirchen singen können. Die Coronalage, die seit über einem Jahr unser Leben an allen Ecken und Enden beeinflusst, hält uns davon ab.
Aber verliert das Lied deshalb etwas von seiner Aussage?
Ist es deshalb weniger zutreffend?
Geradezu trotzig möchte ich es der Tristesse entgegenstellen, die sich in der Coronazeit immer wieder in unseren Gemütern breit machen will.
Das Lied ist eine schöne musikalische Zusammenstellung unseres Glaubens, der in dieser Krisenzeit sicher heftig angefragt wird.
Aber müssen wird deshalb am Glauben, müssen wir an Gott, an Christus, an der Zuversicht, die wir jahrzehntelang eingeübt haben zweifeln?
Eher ist es doch wie bei einem Baum.
Wenn er lange von den Stürmen und heftigen Winden völlig hin- und hergeworfen wird, wenn seine Zweige gerupft werden, dann treibt er geradezu trotzig seine Wurzeln tiefer in den Boden und gewinnt dadurch einen nur um so sicheren Halt und festeren Stand.
Natürlich werden auch wir, wird auch unser Glaube momentan mal wieder ganz heftig angefragt, durch Corona, durch Krisen in der Kirche, durch persönliche Schicksalsschläge.
Aber eines wissen wir in all dem:
Jesus lebt – Ostern ist kein Märchen, sondern Glaubensgewissheit!
Jesus hat längst alle Mächte der Welt durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung für uns besiegt!
Seine Treue wanket nicht!
Dies ist meine Zuversicht!
Und hoffentlich auch die Ihre!

Und so wünsche ich allen Besuchern der Website daher auch in diesem Jahr ein gesegnetes Osterfest

Ihr
Christoph Gundermann, Pfr.

Der Blick ins Grab

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später auslieferte, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus jedoch sagte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt! Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer. Eine große Menge der Juden hatte erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte. Die Hohepriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten, weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten. (Joh 12,1-11)

Maria von Bethanien salbt Jesus für seinen Tod und sein Begräbnis.
Durch diese Tat nimmt sie den Besuch der drei Frauen am Grab Jesu vorweg.
Am frühen Morgen des ersten Tages der Woche werden Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus und Salome wohlriechende Öle bringen, um den Leib Jesu zu salben.
Sie werden hineinschauen in das Grab und einen jungen Mann sehen – und sehr erschrocken sein.
Man stelle sich das vor!
Man blickt in ein Felsengrab hinein und erwartet, eine Leiche zu sehen, und stattdessen sitzt da jemand, der lebt und gesund ist – jemand, völlig anderes, als derjenige, der dort begraben wurde!
Aber das wird nicht das Ende ihrer Überraschung sein.
Der Mann wird verkünden, dass dieser Jesus, den sie suchen, nicht da ist, dass er auferweckt wurde und ihnen nach Galiläa vorausgehen wird.
Aus diesem Blick in das Grab Jesu können wir lernen, dass alles, was wir für richtig hielten, nicht die einzige und letzte Wahrheit ist.
Gott ist der Feind des Todes, und er hat uns seine Macht über den Tod auf einzigartige und unüberbietbare Weise gezeigt.
Unser Leben braucht nicht länger von der Angst vor dem Tod beherrscht zu werden.
Wir sehen den Beweis dafür auf die lebendigste Art und Weise, die man sich vorstellen kann. Denken wir schon jetzt daran, wenn wir diese Szene betrachten in der Maria von Bethanien die Füße Jesu salbt.