Zur Heiligkeit berufen

„Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Mt 5,48)

Ist solch ein Satz nicht eine totale Überforderung, die wir spontan erstmal als utopisch bezeichnen? Denn wenn wir so was hören, dass wir vollkommen sein sollen, so kommen uns doch als Erstes die Heiligen in den Sinn. Wir schauen auf sie und sehen das Große, das Außergewöhnliche, dass sie geleistet haben.
Was wir dann weniger bedenken, ist die Tatsache, dass auch Heilige nicht schon immer perfekte Menschen waren. Ihnen ist längst nicht alles gelungen.
Auch Heilige hatten ein Leben mit Fehlern, Ecken und Kanten.
Jeder Heiliger hat seine Vergangenheit als Sünder.
Im Umkehrschluss heißt das dann: Jeder Sünder kann auch eine Zukunft haben –als Heiliger.
Das ist doch die Chance für uns.
So gesehen ist also der Aufruf Christi „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist“ nichts anderes, als eine Motivationshilfe für uns: „Nutz‘ Deine Chancen. Mach‘ was aus dem, das in dir steckt!“
Dabei will Gott uns helfen, denn er zeigt seine Heiligkeit und Vollkommenheit, indem er die ungeahnten Möglichkeiten fördert, die er in uns hineingelegt hat.
Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet.
Wenn wir die Versuchung verspüren, uns in unserer Schwäche zu verstricken, dann dürfen wir die Augen auf den Gekreuzigten richten und sagen:
„Herr, ich bin ein armseliger Mensch, aber du kannst das Wunder vollbringen, mich ein wenig besser zu machen.“
Geben wir Gott die Chance dazu!

Der radikale Jesus

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein.
Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein. Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen.
Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.
Ihr habt gehört. dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören, und: Du sollst halten, was du dem Herrn geschworen hast.
Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen. (Mt 5, 20-22a.27-28.33-34a.37)

Wir sind versucht, wenn wir auf diese Aussagen schauen, zu sagen: „Na da ist Jesus aber doch ein wenig zu radikal!“ Das stimmt, allerdings nur, wenn wir dadurch die Aussagen Jesu nicht nivellieren wollen, nicht an die Seite schieben wollen, sondern sie an uns heranlassen und nach der Bedeutung des Wortes „radikal“ fragen.
Es kommt vom lateinischen „Radix“, „Wurzel“.
Jede Pflanze, jeder Baum hat seine Wurzeln.
Und die sind überlebensnotwenig – nicht nur für die Standfestigkeit einer Pflanze, sondern auch wegen der Nährstoffe und der Wasseraufnahme.
Ein Baum ohne Wurzeln stirbt; wenn der Wurm drin ist, dann kann es gefährlich werden.
Auf die Wurzel kommt es an – das ist im wahrsten Sinn des Wortes die ganz radikale Überlebensfrage.
Wir selbst und der Blick auf die Menschen an unserer Seite zeigen uns:
Nicht die Äußerlichkeiten und das Verhalten in einer einzigen Situation sind das Entscheidende.
Das wirklich Entscheidende ist und bleibt doch:
Bin ich verwurzelt? Lebe ich aus der Tiefe? Welche Wurzeln halten mich?
Jesu Botschaft ist eine radikale – nicht, weil sie unangemessene Forderungen stellt, sondern weil sie nach den Wurzeln fragt.
Aus welchen Wurzeln lebe ich?

Dem Licht entgegen

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist:
Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen.
Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.
(Mt 4,12-17)

Die Verheißung des Lichtes an das Volk, das im Dunkel lebt, ist Antwort auf eine Erfahrung von Verlust, Entwurzelung, Einsamkeit und Depression.
Was für das Volk Israel galt, galt und gilt auch jedem einzelnen Menschen auf seinem Lebensweg.
Nicht der Depression zu verfallen und sich aufzugeben, sondern den Blick auf das Ziel zu richten, ist das, was in der Krise tragen und aus ihr herausführen kann.
Das bedeutet nicht, dass dieser Weg einfach ist und Leid und Not erspart, aber wenn es uns gelingt, den Blick zu weiten, finden wir die Kraft, das, was uns niederdrückt, zu tragen und zu ertragen,
im Glauben an das Licht, den Jubel und die Freude, die uns am Ende erwarten.
Vor kurzem sah ich im Internet irgendwo eine kurze Szene in der irgendjemand, der einer Baseballmannschaft sehr verbunden war, nach einem riesigen Erfolg der Mannschaft in die Kabine kam und es brach großer Jubel aus, es wurde sich gemeinsam gefreut und abgeklatscht, wie das bei Sportlern in solchen Situationen eben üblich ist.
Und unter der Filmszene stand nur ein kurzer Satz:
„That´s what it is, when we get to heaven“
„So sieht´s aus, wenn wir in den Himmel kommen“
Mich hat diese Szene, kombiniert mit diesem Gedanken sehr angesprochen.
Ja, das soll´s ein, darauf geht es zu, darum strampeln wir uns hier und jetzt so ab, darum nehmen wir so manches auf uns, darum geht unser ganzes Mühen und Streben, das uns im Alltag oft die Luft nimmt.
Die Freude über den Sieg der Mannschaft stellt sich erst ein, nachdem zuvor schwere Arbeit auf dem Platz geleistet wurde.
Es braucht also vielleicht einiges an Durchpflügen unseres eigenen inneren Ackerbodens, indem wir das Ringen der verschiedenen Kräfte in uns zulassen und die verschiedenen Licht- und Schattenseiten in uns versuchen, in Einklang zu bringen.
Dann werden wir lichtvolle Menschen werden.

Gottes “Ansage”

In jenen Tagen sprach der Herr noch einmal zu Ahas; er sagte: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen. Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen? Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben. (Jes 7,10-14)

Was sich so demütig anhört:
„Ich will den Herrn nicht auf die Probe stellen“ ist ein Mangel an Glauben, sich selber auf Gott einzulassen und auf Gottes Verheißungen zu bauen.
Anders gesagt: „Nach Gottes Willen fragen –lieber nicht!
Besser, ich habe es in meinen Händen!“
Gott soll dem Ahas zu Diensten sein, in Gottes Hände will dieser sich nicht geben.
Deshalb macht Gott eine „Ansage“ durch den Propheten: „Darum wird der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel –Gott mit uns –geben“ (Jes. 7,14).
Von sich aus
– selbst im drohenden Untergang des Volkes angesichts der Übermacht der Feinde
 -selbst in der größten Not lässt Gott sein Volk nicht im Stich.
Er wird zu allen Zeiten ein Zeichen für seine Nähe, für seine Gegenwart unter den Menschen setzen.
Die Zusage ist klar: „Gott ist mitten unter uns.“
„Immanuel“, um diesen Namen geht es nicht nur an Weihnachten, sondern in unserer Geschichte und in meinem Leben.
Das ist die Zusage!
Hören wir auch die Ansage?
Wir sind in vielem orientierungslos genug!
Werden wir uns stören lassen in unserer Weltsicht?
Belästigen wir Gott nur, weil er unserem Willen gemäß handeln soll?
Gott gibt ein (fast zu) schlichtes Zeichen:
Die Jungfrau wird gebären… nur so wird Gott mit uns sein.
Es ist nicht leicht für diesen menschgewordenen Gott, und wahrscheinlich war es zu keiner Zeit wirklich leicht für ihn, aber der leise, behutsame Weg ist der einzige, um wirklich im Menschen etwas zu verändern, denn da wo der Mensch im Innersten berührt wird, da ändert er sich.

Uns wird was blühen…

In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi. Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet. Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt. (Mt 11,2-6)

Euch wird was blühen! – Uns wird was blühen!
Eine Botschaft, die wir heute jeden Tag hören, die uns geradezu eingehämmert wird.
Denn es gibt nur allzu viele Unheilspropheten, die die Ängste der Menschen schüren – von Altersarmut und -vereinsamung bis zu Naturkatastrophen, Klimakatastrophe, Einwanderungschaos, Bildungsnotstand…
Man schlage nur die Zeitung auf oder schaue in seine Timeline.
Da kann einem angst und bange werden.
Aber auch darüber hinaus sind uns Wüstensituationen vertraut, kennen wir Wüstenzeiten.
Die Partnerschaft, die zerbrochen ist,
die Familie, die leidet, weil Krankheit aufgetreten ist;
die Trauernden, die über den Tod eines geliebten Menschen nicht hinwegkommen,
die Kinder, die unter fehlender Geborgenheit in der Familie leiden.
Es gibt so viele Wüstensituationen, so viele Wüstenzeiten.
Die Botschaft des Gaudete-Sonntages ruft uns geradezu lauthals zu:
Eure Situation mag euch vielleicht an der ein oder anderen Stelle ausweglos erscheinen – aber es gibt einen Weg.
Ihr mögt verzweifelt sein – aber es gibt Hoffnung.
Ihr mögt resignieren – aber es gibt Zuversicht.
Denn euer Gott wird kommen und er ist schon da.
Mitten unter euch steht er. Vielleicht erkennt ihr ihn nicht, vielleicht müsst auch ihr fragen:
Bist du es, der da kommen soll oder müssen wir auf einen anderen warten?
Auch wir als Christen erleben Wüstenzeiten, auch wenn wir schon so oft Gottes Zusage gehört haben:
Ich bin bei euch.
Auch wir als Christen dürfen fragen.
Aber wir dürfen eben nicht ins Leere hineinfragen, in Scheinversprechen und in Richtung heutiger leerer (Un-) Heilsversprechen, in nichtssagende Sprechblasen hinein, sondern zu Gott hin.
Ich wünsche uns, dass wir unseren Gott immer wieder als Leben spendenden Gott erfahren dürfen – gerade in Wüstensituationen.
Ich wünsche uns, dass wir einander Zeugen des rettenden Handelns unseres Gottes sind – gerade in Wüstensituationen.
Ich wünsche uns, dass wir Gott immer wieder entdecken, in diesem kleinen Stück Brot, in dem er uns in der Eucharistie begegnet, und in dem er uns mit seiner Kraft stärken will,
in dem er unsere schlaffen Hände stärken und unsere wankenden Knie festigen will.
Ich wünsche uns, dass wir uns immer wieder von seiner barmherzigen Liebe im Sakrament der Versöhnung aufrichten lassen, in dem der unsere Verzagtheit in Stärke und unsere Furcht in Zuversicht wandeln will.
Und ich wünsche uns die Freude an der Frohen Botschaft:
Euch wird was blühen – ein Leben in Fülle, schon hier auf dieser Erde und am Ende des Advents unseres Lebens.

Was ist Hülle – Was ist Kern?

Als Johannes (der Täufer) sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Gericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Ich taufe euch nur mit Wasser (zum Zeichen) der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand; er wird die Spreu vom Weizen trennen und den Weizen in seine Scheune bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. (Mt 3,7-12)

Mit diesem Bild ist unser Leben gemeint;
es geht um die Frage, ob sich mein Leben eher mit der Spreu oder mit dem Weizen vergleichen lässt.
Es geht um die Frage:
Was bleibt von meinem Leben?
Was ist der Kern, und was wird als nutzlose Hülle wie Spreu weggeblasen?
Es geht nicht darum, den 50. Weihnachtsmarkt besucht zu haben, es geht nicht darum, den schönsten Hausschmuck aufgehängt zu haben, die wirkungsvollste LED-Beleuchtung installiert zu haben, die romantischste Stimmung erzeugt zu haben…
Auf etwas Anderes kommt es an, auf den Kern, und der heißt im Advent: Umkehr.
Umkehren – das bedeutet hier:
Nicht bei der Spreu, nicht bei der Hülle bleiben, sondern sich dem zuwenden, was der Kern des Lebens ist;
Umkehren bedeutet:
den Weg nach innen anzutreten, durch Einkehr auf den Kern kommen.
Wer das vernachlässigt und immer von einer Aufgabe zur anderen eilt, der läuft Gefahr, den inneren Kern verkümmern zu lassen, oder, mit dem anderen Bild des Evangeliums gesagt:
Er hat selber schon die Axt an seine Wurzeln gelegt; er hat sich selbst aufgegeben.
Wer im Gegensatz dazu den Weg nach innen wagt, der wird nicht nur sich selbst finden, sondern er bereitet zugleich den Weg für den Herrn, und das ist entscheidend.
Denn auch der Herr will ins Innere des Menschen kommen; er will auf den Kern unseres Lebens treffen, damit er uns von innen her reinigen und heilen kann.
Es wäre schade, wenn wir uns nach den Weihnachtsfeiertagen sagen müssten, es sei alles wieder vorbei; es sei alles nur Spreu, alles nur ein Drum-Herum gewesen.
Wir wollen uns also nicht mit der Hülle begnügen, sondern auf den Kern kommen.

Da ist er nun wieder der Advent…

Allerorten werden die Dekorationen auf rührselig, die Stimmung auf romantisch getrimmt. Es werden die Lichterketten und LED-Schläuche installiert, die Rentiere in die Fenster gestellt… Es soll ja schließlich gemütlich und heimelig sein.
Aber Advent – mit den Augen eines Landpfarrers betrachtet – ist alles andere als nur eine rührselige und romantische Zeit.
Es geht nicht nur um Glühwein, Weihnachtsmarkt und gefühlsbetonte Lieder.
Advent ist die Chance, einen Moment inne zu halten, den Alltag zu unterbrechen, das Ziel wieder in den Blick zu bekommen, Gott in den Blick zu bekommen.

In der ersten Lesung des ersten Adventsonntages diesen Jahres klingt das so: „Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn“ (Jes 2,5b) im Licht des Herrn, also im Licht Gottes, nicht im Neonlicht, LED-Lichterkettengeflacker.
Das Licht des Herrn, das Licht Gottes ist das Licht, das seit der Taufe bzw. seit unserer bewussten Entscheidung zum Glauben über unserem Leben leuchtet.
Advent bietet die Chance, dass wir uns wieder in dieses Licht hineinstellen, in diesem Licht unser Leben betrachten und den Weg unseres Lebens gehen. Seien wir daher wachsam und halten wir uns bereit. Gott kommt oftmals unverhofft (vgl. Mt 24, 37-44) und wer weiß, vielleicht ist er schon unerkannt da!?

Fokussiert sein!!

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Denn du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Was soll ich jetzt tun, da mein Herr mir die Verwaltung entzieht? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem anderen, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich schnell hin und schreib „fünfzig“! Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib „achtzig“! Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte, und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. (Lk 16,1-8

Was ist denn die Klugheit dieses Verwalters, die Jesus hier lobt? Denn das ist wichtig: Jesus lobt die Klugheit, nicht das skrupellose und betrügerische Verhalten.
Die Klugheit des Verwalters besteht ja daran, völlig „fokussiert“ und zielgerichtet vorzugehen und genau das tun, was zum Ziel führt. Diese Klugheit ist eine absolute Konsequenz im Handeln.
Wenn Jesus dann mahnt: „Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.“ (Lk 16,8b), dann fordert er uns auf, zielgerichtet; fokussiert und klug zu handeln, um das Ziel zu erreichen. Alle Kraft soll auf dieses Ziel gerichtet sein.
Das Ziel der Kinder dieser Welt ist :Erfolg, Wohlstand, langes Leben, Ruhm, Ansehen …
Was aber ist unser Ziel als Christen? Welches Ziel haben wir?
Was ist mein großes Ziel? Das Ziel das für immer bleibt? Am Ende dieses Lebens?
Im Tagesgebet heißt es: „Heiliger Gott, du hast uns das Gebot der Liebe zu dir und zu unserem Nächsten aufgetragen als die Erfüllung des ganzen Gesetzes. Gib uns die Kraft, dieses Gebot treu zu befolgen, damit wir das ewige Leben erlangen.“
Das ist doch das große Ziel, dass wir als Christen immer im Auge haben sollten: das ewige Leben erlangen!!
Für dieses Ziel gilt es alles einzusetzen, auf diese Ziel gilt es sich im Leben zu fokussieren, dem soll alles untergeordnet sein und das muss der Maßstab bei der Beurteilung aller Optionen sein die das Leben uns bietet.
Verlieren wir dieses Ziel nicht aus den Augen und überprüfen wir immer wieder, ob wie es konsequent und klug anpeilen:
Das alte Kindergebet gilt auch noch heute und wir sollten es vielleicht mal wieder bedenken:
„In den Himmel will ich kommen,
fest hab ich´s mir vorgenommen.
Mag es kosten, was es will,
für den Himmel ist mir nichts zu viel.“

Preis der Nachfolge

Der Preis, den Jesus für seine Nachfolge nennt, scheint uns wahrhaftig sehr hoch:
„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern,
ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“
. (Lk 14,26)
Das ist der Preis, den Jesus nennt.
Aber wie bei wirtschaftlichen Angeboten auch, sollten wir, wenn uns der Preis so hoch vorkommt auch mal hinterfragen, wie es denn zu solch einer Preisgestaltung kommt.
Da gilt es zunächst mal zu bedenken, worum es denn geht:
Es geht um das Angebot der Gottesfreundschaft,
es geht um das letzte Ziel,
es geht um das ewige Heil des Menschen.
Und der Preis dafür wird von Jesus nicht willkürlich festgesetzt, sondern dieser Preis liegt in der Sache selbst. Es geht also nicht billiger; und dem Herrn ist wegen dieses hohen Preises kein Vorwurf zu machen; der Preis liegt eben in der Sache selbst.
Aber jeden von uns interessiert ja nicht ein Preis im Allgemeinen, sondern wir dürfen weiter fragen:
Was kostet die Jüngerschaft Jesu, was kostet die Gottesfreundschaft mich ganz konkret?
Was ist der Preis, den ich persönlich zu zahlen habe, wenn ich Gemeinschaft mit Jesus haben will?
Und dann wird sich zeigen, dass der konkrete und persönliche Preis für jeden verschieden sein wird, aber das eine bleibt:
Eine Freundschaft, die man sich nichts kosten lässt, ist auch keine echte Freundschaft.
Aber wie könnte der Preis für diese Freundschaft aussehen?
Keinem von uns droht doch aller Voraussicht nach wohl das Martyrium;
d. h. wir werden, um unseres Glaubens willen, nicht getötet werden, wie z. B. der Hl. Stephanus oder die Hl. Agatha und viele andere;
aber in den letzten Jahren mehren sich doch die Situationen, in denen wir belächelt werden, wenn wir wirklich als Christen leben wollen und das auch zeigen.
Sich belächeln lassen: das kann ein Teil des Preises sein!
Mal ganz konkret gefragt:
Wann haben Sie zuletzt in der Öffentlichkeit, in einem Restaurant das Tischgebet gesprochen und das Kreuzzeichen gemacht. (Und wann haben sie es zuhause zuletzt mit den Kindern oder Enkeln gemacht?)
Die Stimme des Gewissens nennt uns also den Preis, den wir in der Nachfolge Jesu zu zahlen haben.
Wir dürfen aber nicht nur auf den Preis schauen, den wir für die Jüngerschaft Jesu bezahlen.
Zuerst steht da etwas ganz Anderes. Vor all dem, was wir für die Gottesfreundschaft bezahlen, steht das, was sich Jesus die Freundschaft zu uns hat kosten lassen.
Jesus hat sie mit seinem Leben bezahlt.
So mahnt uns denn auch der Hl. Paulus, indem er sagt: „Bedenkt doch, um welchen Preis ihr erkauft worden seid!“
Bevor wir auch nur irgendetwas für diese Freundschaft bezahlt haben, hat Jesus mit seinem Leben bezahlt.
Er hat sein Leben investiert, um uns zu Freunden, zu Söhnen und Töchtern Gottes zu machen.
Jesus hat also seinen teuren Preis bezahlt, um uns zu Freunden und Kindern Gottes zu machen.
Das ist es, was uns anspornen kann, aus Dankbarkeit, auch unseren Preis zu bezahlen.

Keine falsche Beruhigung!

Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt (Lk 12,42b-46a)

Da lebt also jemand in einer falschen Beruhigung.:
Er beruhigt sich mit dem Leichtsinn, indem er denkt:
„Mein Herr wird ja noch lange nicht zurückkommen“; und er lebt auch entsprechend.
Von diesem Leichtsinn heißt es: „Der Herr wird an einem Tag kommen, an dem es der Knecht nicht erwartet“.
Vor solchem Leichtsinn oder auch gezielter Betäubung will Jesus uns warnen.
Und trotzdem ist diese Warnung keine Drohbotschaft, denn es ist eine Warnung, die von seiner Liebe getragen ist;
eine Warnung, die zum Ziel hat, uns teilnehmen zu lassen an seiner Liebe und an seinem Leben.
Es ist um unseres Heiles willen, um unserer Seligkeit willen, dass wir zur Wachsamkeit aufgerufen werden: „Selig die Knechte, so heißt es, selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt…
Der Herr selber wird sich gürten und sie am Tisch Platz nehmen lassen..“.
Wenn wir immer wieder in der Eucharistiefeier bereit sind, Gott in unser Leben hereinzulassen, und wenn solche Stunden sich Woche für Woche wiederholen,
dann werden wir für Gott offen sein – auch in den Stunden unseres Alltags –
und dann dürfen wir hoffen, dass wir offen sind für Gott auch in der letzten Stunde unseres Lebens, – dass wir auch dann wachsam sind und den Ruf des Herrn hören können.