Der “heruntergekommene” Himmel

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

(Joh 17,1-5)

Jesus war und ist die Begegnung von Himmel und Erde in Person.
Gott und Menschheit kommen in ihm zusammen, und sein gesamter Dienst war der äußere Ausdruck dieser inneren Wirklichkeit. Indem Jesus ein zerstreutes Israel zur Einheit aufrief, die Armen zur Tischgemeinschaft einlud, die Kranken an Seele und Leib heilte und den Weg der Vergebung und Liebe verkörperte, brachte er Gottes Willen und Wirken auf die Erde. In seinem Leiden und in seinem Tod, brachte Jesus den Himmel bis auf die Erde herunter.
Er trug das göttliche Licht in die dunkelsten Ecken des menschlichen Lebens – Hass, Grausamkeit, Gewalt, Korruption, Dummheit, Leiden und Tod – und verwandelte sie dadurch. Der ultimative Beweis, dass der Himmel die Erde verwandeln kann, ist natürlich die Auferstehung.
Seitdem wissen wir, dass Grausamkeit, Hass, Gewalt, Angst, Leiden und Tod nicht die mächtigsten Kräfte der Welt sind. Seitdem wissen wir, dass die göttliche Liebe mächtiger ist. Gottes Reich hat die Macht der Königreiche dieser Welt gebrochen.

 

 

Am Tisch der Gnade

„Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. (Joh 6,35)

Was Gott von Anfang an gewollt hat, ist, sich mit den Menschen, die er geschaffen hat, zu einem festlichen Mahl zusammenzusetzen, das Leben und das Lachen zu teilen, zu geben, zu empfangen und wieder zurückzugeben. Dies sind die Gnaden die gegenseitig geschenkt werden. Je mehr wir das göttliche Leben empfangen, desto mehr sollten wir es verschenken und es dadurch vermehrt empfangen. Im gesamten Alten Testament finden wir Bilder des heiligen Mahles. Gott möchte sein Leben mit uns teilen.
Im Neuen Testament kommt dies kommt bei der Eucharistie zum vollsten Ausdruck, gelangt zu seiner größten Tiefe, wenn Jesus das Brot und den Wein in sein Fleisch und sein Blut verwandelt und uns alle einlädt, an diesem Tisch das Leben zu feiern und zu teilen, zu geben und zu empfangen.

Nahrung für die Reise des Glaubenden

Wir kennen wohl alle das Evangelium von der Brotvermehrung. (Joh 6,1-15)
Es ist die einzige Wundererzählung, die in allen vier Evangelien erwähnt wird.
Diese Szene hat die ersten Christen offenbar tief bewegt.
Jesus weist seine Jünger an, dass die Menschen sich ins Gras setzen sollen. Er nimmt die fünf Brote und die 2 Fische und sättigt damit die enorme Menge von Menschen.
Hungrige, müde, erschöpfte, von ihren Anstrengungen ausgelaugte Menschen. Ihnen gibt Jesus die Nahrung für den Tag.
Für uns ist es ein schönes und bedeutsames Bild für die Eucharistie.
Sie ist Nahrung für die Reise des Glaubenden.
Die Taufe hat uns zu Söhnen und Töchtern Gottes gemacht.
Die Firmung bekräftigt und vertieft diese Zugehörigkeit.
Die sakramentale Ehe und die heiligen Weihen bestärken uns weiter in unserer Berufung.
Diese Sakramente werden uns an den Wendepunkten und in den Schlüsselmomenten unseres Lebens angeboten werden.
Und dann ist da die Eucharistie.
Sie kann regelmäßige, ja tägliche Stärkung und Nahrung sein, um uns durch den Alltag zu bringen.
Auch im geistlichen Leben braucht es Stärkung!
Wir müssen essen und trinken, sonst fehlt uns die Kraft!

Jesus lebt, mit ihm auch ich!!

Jesus lebt, mit ihm auch ich!
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Jesus lebt und wird auch mich
von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ihm ist das Reich
über alle Welt gegeben;
mit ihm werd auch ich zugleich
ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Ich bin gewiss:
Nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis,
keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht;
dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt! Nun ist der Tod
mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
wird er meiner Seele geben,
wenn sie gläubig zu ihm spricht:
“Herr, Herr, meine Zuversicht!”
(GL 336)

Wir werden dieses schöne Osterlied, das sich im Gotteslob als eines der neueren Lieder seit der Neuauflage findet, in diesem Jahr (wieder) nicht gemeinsam in den Kirchen singen können. Die Coronalage, die seit über einem Jahr unser Leben an allen Ecken und Enden beeinflusst, hält uns davon ab.
Aber verliert das Lied deshalb etwas von seiner Aussage?
Ist es deshalb weniger zutreffend?
Geradezu trotzig möchte ich es der Tristesse entgegenstellen, die sich in der Coronazeit immer wieder in unseren Gemütern breit machen will.
Das Lied ist eine schöne musikalische Zusammenstellung unseres Glaubens, der in dieser Krisenzeit sicher heftig angefragt wird.
Aber müssen wird deshalb am Glauben, müssen wir an Gott, an Christus, an der Zuversicht, die wir jahrzehntelang eingeübt haben zweifeln?
Eher ist es doch wie bei einem Baum.
Wenn er lange von den Stürmen und heftigen Winden völlig hin- und hergeworfen wird, wenn seine Zweige gerupft werden, dann treibt er geradezu trotzig seine Wurzeln tiefer in den Boden und gewinnt dadurch einen nur um so sicheren Halt und festeren Stand.
Natürlich werden auch wir, wird auch unser Glaube momentan mal wieder ganz heftig angefragt, durch Corona, durch Krisen in der Kirche, durch persönliche Schicksalsschläge.
Aber eines wissen wir in all dem:
Jesus lebt – Ostern ist kein Märchen, sondern Glaubensgewissheit!
Jesus hat längst alle Mächte der Welt durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung für uns besiegt!
Seine Treue wanket nicht!
Dies ist meine Zuversicht!
Und hoffentlich auch die Ihre!

Und so wünsche ich allen Besuchern der Website daher auch in diesem Jahr ein gesegnetes Osterfest

Ihr
Christoph Gundermann, Pfr.

Glaube und Vertrauen

In jener Zeit kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit Jesus; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn auf die Probe zu stellen.
Da seufzte er tief auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, das sage ich euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden.Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer. (Markus 8,11-13)

Die Pharisäer wollen Jesus prüfen, weil sie weder Glauben an ihn noch Vertrauen auf ihn haben.
Der Glaube ist eine Haltung des Vertrauens in die Gegenwart Gottes.
Glaube ist Offenheit für das, was Gott offenbaren und tun will und wozu er uns einlädt.
Es sollte klar sein, dass wir im Umgang mit dem unendlichen, allmächtigen und persönlichen Gott niemals die Kontrolle haben. Der Glaube geht weit über unser Verstehen hinaus.
Wenn wir Gottes Handeln herausfinden, genau berechnen, mit vollständiger Genauigkeit vorhersagen könnten, wären wir verantwortlich – und per Definition haben wir es nicht mit einer alltäglichen Person zu tun.
Würden wir eine der genannten Umschreibungen verwenden, um über unsere Beziehung zum Ehemann, zur Ehefrau oder unserem besten Freund zu sprechen?
Stattdessen gehen wir mit solchen Menschen ein sich immer weiter vertiefendes Vertrauensverhältnis ein.
Eine der grundlegendsten Glaubensbezeugungen lautet: In unserem Leben geht es nicht um uns.
Wir haben nicht die absolute Kontrolle. Wir sind vielmehr Teil von Gottes großartigem Plan.
Dies aus tiefstem Herzen zu glauben und entsprechend zu handeln, bedeutet, Glauben zu haben.