Der spielende Gott?

«Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.» (Spr 8,31)

Ein Satz aus dem Munde Gottes, der davon spricht, das Gott spielt. Ein spielender Gott?

Folgen wir einmal diesem Bild, schauen wir einmal gedanklich einem kleinen Kind beim Spielen zu.
Vollkommen versunken, die ganze Welt vergessen, vertieft es sich in sein Spiel. Dabei will es nichts herstellen, nichts gewinnen oder erreichen. Ein solches Spiel ist vollkommen zweckfrei und selbstlos; Gegenstände werden zum Leben erweckt, bekommen eine Stimme und einen Willen.

Wie Kinder miteinander spielen, die noch keine Spiele mit Regeln gelernt haben, sondern einfach nur ihre Phantasie spielen lassen; so versteht Gott seine Beziehung zu uns:
Er hat uns geschaffen, wir sind also seine Geschöpfe.

Aber er hat uns nicht geschaffen, damit wir einen Zweck erfüllen; damit wir ihm die Langeweile vertreiben oder ihn unterhalten.
Er will mit uns nichts erreichen oder etwas gewinnen. Er hat uns auch nicht geschaffen, weil er uns braucht oder weil er – im schlechten Sinne – mit uns spielen will.

Nein, er hat uns geschaffen, weil er Freude an uns hat. Vollkommene Freude einfach an unserem Dasein.
Er liebt es, bei uns zu wohnen und in unserer Nähe zu sein.
Er ist wie ein Kind, das sich in unsere Welt vertieft und Totes zum Leben erweckt; er stellt Beziehungen her, will uns Vater sein und bezeichnet uns als seine Kinder. Er verliebt sich in seine Geschöpfe.

Er erlebt Nöte und Ängste, Freuden und Feste seiner Kinder mit; trauert und jubelt mit ihnen, er wählt sich ein Volk aus und begleitet es – und bereitet es auf ein riesiges Wunder vor:
Er bezieht seinen eigenen, wirklichen Sohn in das Spiel ein und lässt ihn sich bis auf die unterste Ebene erniedrigen.

Damit ist seine Schöpfung, ein Teil seiner eigenen, göttlichen Wirklichkeit geworden. Er hat alles in dieses Spiel investiert, sich selbst, seinen Sohn und seine ganze Liebe.
Jetzt ist seine Freude vollkommen:
Allen hat er das Angebot gemacht, aus dem Sandkasten dieser Welt heraus zu treten und Teil der göttlichen Wirklichkeit zu werden; zu Hausgenossen Gottes.

“An Dir habe ich Wohlgefallen gefunden”

Es geschah aber,
dass sich zusammen mit dem ganzen Volk
auch Jesus taufen ließ.
Und während er betete,
öffnete sich der Himmel
und der Heilige Geist
kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab
und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
(Lk 3,21-22)

Gott sagt zu Jesus: „Ich habe an dir Wohlgefallen.“
Das sagt er zu jedem, der auf seinen Namen getauft ist:
„Du bist ein Mensch, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Mit allen Macken und Kanten, so wie Du bist.
Wenn Gott Dich anschaut, wenn er in Dein Gesicht schaut, dann ist es so, als wenn er in einen Spiegel schaut, weil Du sein Ebenbild bist. Darum bist Du ihm ungeheuer wichtig. „Ich habe an dir Wohlgefallen.“
Das tut so gut, wenn man weiß: Gott hat an mir Wohlgefallen.
Es kann nämlich sein, dass wir in Situationen kommen, wo kein Mensch mehr an uns Wohlgefallen hat, wo ich mich selber vielleicht nicht mehr ausstehen kann. Aber dann gilt immer noch. Gott hat an mir Wohlgefallen.